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Der Psalter als ein Weg des Aufstiegs in Gregor von Nyssas «In inscriptiones Psalmorum»

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Augustinus Friedbert Weber

Das Buch untersucht Gregor von Nyssas Traktat «In inscriptiones Psalmorum». Dieser legt den Psalter als einen Meditationstext aus, der Gott suchende Menschen begleiten und über einen stufenweisen Aufstieg bis zur vollendeten Seligkeit führen will. Die Reihenfolge der Psalmen und ihre Gruppierung in fünf Bücher spiegeln einzelne Schritte und Etappen dieses Weges. Der Autor analysiert Gregors exegetische Arbeitsweise und legt eine Übersetzung des Traktats ins Deutsche vor. Eine hermeneutische Bilanz deutet den Kappadokier als einen Denker, der den christlichen Glauben im Kontext seiner Zeit in einer der philosophischen Vernunft gemäßen Weise erschließt.

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5.1.4.3 Zweites Element: Lob und Tadel (10,1–15)

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5.1.4.2.5.1 Das Herz

In V. 8 sieht Gregor noch einmal in voller Klarheit das für ihn entscheidende Unterscheidungsmerkmal ausgesprochen: die unterschiedliche Art von Freude. In V. 8a spricht der Psalm von einer Freude, die in das Herz gegeben wird, während in V. 8b von materiellen Gütern die Rede ist. Gregor liest die beiden Halbverse kontrapositiv, was vom Text dadurch gestützt wird, dass in V. 8a wiederum in der 1. Pers. Sg. ein Einzelner spricht, während in V. 8b in der 3. Pers. Pl. eine Aussage über viele gemacht wird. Somit lassen sich diese beiden Halbverse den schon bisher identifizierten Personen zuordnen: V. 8a dem Frommen von V. 4a und V. 8b den Herzensträgen von V. 3a.

Gregor sieht in der Freude, die im Herzen entsteht, eine Folge der Tugend (9,34). Damit setzt er die zu V. 7b vorgetragene Exegese voraus, in der er die Abdrücke des göttlichen Lichtes in der Seele als Tugenden gedeutet hatte. Sein griechischer kultureller Hintergrund wird deutlich, wenn er das im Psalm genannte „Herz“ mit „Seele“ und „Geist“ gleichsetzt. ‚Seele‘ und ‚Geist‘ sind demnach die normalen Begriffe, deren Bedeutung sich von selbst versteht, der biblische Begriff ‚Herz‘ dagegen, der aus einem anderen kulturellen Feld stammt, bedarf der Erklärung. Dasselbe lässt sich bereits bei Origenes beobachten, der ebenfalls das Bedürfnis empfand, den Begriff ‚Herz‘ zu erläutern. Bei der Auslegung desselben Psalmverses setzt er es mit dem νοητικόν, dem Denkvermögen gleich,...

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