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Kriminalität und Strafrecht in Kiel im ausgehenden Mittelalter

Das Varbuch als Quelle zur Rechts- und Sozialgeschichte

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Gwendolyn Peters

Die Studie befasst sich mit der Strafrechts- und Kriminalitätsgeschichte Kiels im 15. und 16. Jahrhundert. Als Quelle gibt das Varbuch Aufschluss über vor Gericht verhandelte Fälle von Kapitalverbrechen. Aus dem Vergleich normgebender Rechtsquellen mit der Strafrechtspraxis ergibt sich eine andauernde gesellschaftliche Ungleichheit zu Gunsten vermögender und angesehener Personengruppen vor Gericht. Durch die Aufnahme von Ansätzen der Historischen Kriminalitätsforschung liegt erstmals eine sozialgeschichtliche Analyse des Varbuchs als Quelle zur Kriminalitätsgeschichte vor. In der Schichtspezifik von Straftaten sowie der sozialen Einbindung, Spezialisierung und Mobilität der Delinquenten äußert sich die Alltäglichkeit spätmittelalterlicher, städtischer Kriminalität.

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1. Einleitung

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1.   Einleitung

Im spätmittelalterlichen Kiel sind eine ganze Reihe von kriminellen Handlungen durch die Stadtobrigkeit strafrechtlich verfolgt worden. Hiervon zeugen die erhaltenen Stadtbücher als Quellen zur Strafrechtspraxis und die erhaltenen schriftlich fixierten Strafnormen. Delikte wurden damals entweder mit Geldstrafen oder mit Körperstrafen geahndet. Straftaten, die als besonders gravierend wahrgenommen worden waren, wurden mit dem Tod bestraft. Solche schweren Vergehen werden im Folgenden auch als Kapitalverbrechen bezeichnet.3

Mit dem Varbuch, das zu den mittelalterlichen Kieler Stadtbüchern zählt, liegt eine Quelle zur Kieler Stadtgeschichte vor, die speziell von vor Gericht verhandelten Kapitalverbrechen im Zeitraum zwischen 1465 und 1546 Zeugnis gibt. Das Varbuch ist daher eine interessante und ergiebige Quelle in Bezug auf die Strafrechtspraxis in Kiel im ausgehenden Mittelalter. Ebenso ist auch eine Auswertung des Varbuchs in Bezug auf Kriminalitätsgeschichte möglich, an die sich sozialgeschichtliche Fragestellungen anknüpfen lassen. Durch die Ausgestaltung der Einträge sind dem Buch zudem Hinweise über dessen Zwecke immanent. So lassen Form und Inhalt der schriftlichen Niederlegung Rückschlüsse auf die Funktion des Varbuchs zu.

In der nachfolgenden Untersuchung soll das Varbuch zunächst beschrieben werden. Darüber hinaus sollen der historische Kontext und die in Kiel angewandte Strafrechtspraxis in Bezug auf Kapitalverbrechen unter Berücksichtigung geltender Rechtsnormen in den Blick genommen werden. Anschließend sollen die verschiedenen Delikte betrachtet werden. Dabei werden Aussagen über Delinquenten sowie Schauplätze und Zeitpunkte der Straftaten ausgewertet. Als Delinquenten werden Menschen bezeichnet,...

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