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Kriminalität und Strafrecht in Kiel im ausgehenden Mittelalter

Das Varbuch als Quelle zur Rechts- und Sozialgeschichte

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Gwendolyn Peters

Die Studie befasst sich mit der Strafrechts- und Kriminalitätsgeschichte Kiels im 15. und 16. Jahrhundert. Als Quelle gibt das Varbuch Aufschluss über vor Gericht verhandelte Fälle von Kapitalverbrechen. Aus dem Vergleich normgebender Rechtsquellen mit der Strafrechtspraxis ergibt sich eine andauernde gesellschaftliche Ungleichheit zu Gunsten vermögender und angesehener Personengruppen vor Gericht. Durch die Aufnahme von Ansätzen der Historischen Kriminalitätsforschung liegt erstmals eine sozialgeschichtliche Analyse des Varbuchs als Quelle zur Kriminalitätsgeschichte vor. In der Schichtspezifik von Straftaten sowie der sozialen Einbindung, Spezialisierung und Mobilität der Delinquenten äußert sich die Alltäglichkeit spätmittelalterlicher, städtischer Kriminalität.

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2. Inhaltliche und formale Beschreibung des Varbuchs

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2.   Inhaltliche und formale Beschreibung des Varbuchs

2.1   Klassifizierung und Parallelüberlieferung

Das Varbuch ist eines der sechs erhaltenen mittelalterlichen Kieler Stadtbücher.12 Der Name leitet sich von dem mittelniederdeutschen Wort var ab, das auch Gefahr bedeutet und in diesem Zusammenhang die Lebensgefahr meint, mit der der Angeklagte bei der Gerichtsverhandlung bedroht war13. Das Varbuch ist das einzige Stadtbuch, das sich fast ausschließlich mit Strafrechtsfällen befasst, die mit dem Tod bestraft wurden. Auch in den früheren Stadtbüchern waren neben zivilrechtlichen Fällen vereinzelt strafrechtliche Urteile über Kapitalverbrechen aufgeführt14. Im Rahmen dieser Arbeit werden jene Einträge allerdings nicht berücksichtigt, da sie außerhalb des gesteckten Zeitrahmens liegen.

Die erhaltenen Stadtbücher, deren Laufzeiten sich mit der des Varbuchs überschneiden, enthalten keine weiteren Einträge über Kapitalverbrechen. Das von 1490 bis 1575 geführte Denkelbok handelt primär von Streitfällen um Besitz und Finanzen15. Das Erbebuch (1411–1604) sowie das älteste und das zweite Rentebuch, die in der Zeit von 1300 bis 1586 geführt wurden, befassen sich ebenfalls vornehmlich mit Finanzangelegenheiten16. Eine ergiebigere Parallelüberlieferung zur Strafrechts- und Kriminalitätsgeschichte in Kiel zur Zeit des Varbuchs findet sich vielmehr in den mittelalterlichen Urkundenbeständen und in Asmus Bremers Chronik. Beide Quellen sollen daher ergänzend zur Kieler Strafrechts- und Kriminalitätsgeschichte mit herangezogen werden.

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