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Kriminalität und Strafrecht in Kiel im ausgehenden Mittelalter

Das Varbuch als Quelle zur Rechts- und Sozialgeschichte

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Gwendolyn Peters

Die Studie befasst sich mit der Strafrechts- und Kriminalitätsgeschichte Kiels im 15. und 16. Jahrhundert. Als Quelle gibt das Varbuch Aufschluss über vor Gericht verhandelte Fälle von Kapitalverbrechen. Aus dem Vergleich normgebender Rechtsquellen mit der Strafrechtspraxis ergibt sich eine andauernde gesellschaftliche Ungleichheit zu Gunsten vermögender und angesehener Personengruppen vor Gericht. Durch die Aufnahme von Ansätzen der Historischen Kriminalitätsforschung liegt erstmals eine sozialgeschichtliche Analyse des Varbuchs als Quelle zur Kriminalitätsgeschichte vor. In der Schichtspezifik von Straftaten sowie der sozialen Einbindung, Spezialisierung und Mobilität der Delinquenten äußert sich die Alltäglichkeit spätmittelalterlicher, städtischer Kriminalität.

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7. Zusammenhänge zwischen Delikt und Strafmaß

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7.   Zusammenhänge zwischen Delikt und Strafmaß

7.1   Ansätze zur Klassifizierung der Delikte

Nach der Beschreibung der verschiedenen Arten von Todesstrafen soll nun darauf eingegangen werden, bei welchen Vergehen diese Strafen verhängt wurden. Weil die Strafen Reaktionen auf die verübten Straftatbestände darstellten und das Strafmaß in Relation zur Tat gestanden haben muss292, ist es sinnvoll, Straftatbestände und deren Bestrafung in Form der verschiedenen Todesstrafen gemeinsam zu betrachten. Laut Luppe waren die Todesstrafen primär nach „Ehrlosigkeit und Schwere“ der Tat gestaffelt.293

Die mittelalterliche Wahrnehmung darüber, wie gravierend die unterschiedlichen Straftaten empfunden wurden, unterschied sich in diversen Punkten von unserem heutigen Verständnis. So war beispielsweise Heimlichkeit in besonderem Maße gesellschaftlich geächtet und wog schwer beim Begehen einer Straftat.294 Vielleicht wurden offene Angriffe als weniger schwerwiegend empfunden, weil hierbei letztlich immer noch die Möglichkeit bestand, sich zur Wehr zu setzen, was bei einem heimlichen Vergehen ausgeschlossen war. Nicht zuletzt deswegen war auch die Fehde eine gesellschaftlich lange akzeptierte Form von Gewalt, weil sie öffentlich und nach bestimmten Regeln geführt wurde, wie der Ansage oder dem Ausschluss wehrloser Orte und Personengruppen295.

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