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Kriminalität und Strafrecht in Kiel im ausgehenden Mittelalter

Das Varbuch als Quelle zur Rechts- und Sozialgeschichte

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Gwendolyn Peters

Die Studie befasst sich mit der Strafrechts- und Kriminalitätsgeschichte Kiels im 15. und 16. Jahrhundert. Als Quelle gibt das Varbuch Aufschluss über vor Gericht verhandelte Fälle von Kapitalverbrechen. Aus dem Vergleich normgebender Rechtsquellen mit der Strafrechtspraxis ergibt sich eine andauernde gesellschaftliche Ungleichheit zu Gunsten vermögender und angesehener Personengruppen vor Gericht. Durch die Aufnahme von Ansätzen der Historischen Kriminalitätsforschung liegt erstmals eine sozialgeschichtliche Analyse des Varbuchs als Quelle zur Kriminalitätsgeschichte vor. In der Schichtspezifik von Straftaten sowie der sozialen Einbindung, Spezialisierung und Mobilität der Delinquenten äußert sich die Alltäglichkeit spätmittelalterlicher, städtischer Kriminalität.

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10. Ausblick

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10.   Ausblick

Im Folgenden sollen drei Themenfelder kurz skizziert werden, deren Untersuchungen weiteren Aufschluss über die Geschichte von Kriminalität und Strafverfolgung in Kiel geben und sich an dieser Stelle anschließen ließen.

Zum Ersten könnten sich weitere Erkenntnisse in Bezug auf Kapitalverbrechen beispielsweise aus Vergleichen des Varbuchs mit anderen Stadtbüchern aus Städten ergeben, die ebenfalls mit dem Lübischen Recht ausgestattet waren. In jedem Fall lohnenswert wäre beispielsweise der Vergleich des Stralsunder Richtbuchs (richtebok) mit dem Kieler Varbuch. Das Richtbuch wurde in Stralsund geführt und befindet sich heute im dortigen Stadtarchiv428. Das Kieler Varbuch ähnelt inhaltlich und auch in der Zeitstellung dem Stralsunder Richtbuch sehr, das von 1467–1536 geführt wurde und gleichfalls ausschließlich Einträge über Rechtsfälle enthält, die mit Todesstrafen sanktioniert worden sind.429 Ein Vergleich mit den spätmittelalterlichen Fällen des Lübecker Niedergerichts wird sich hingegen schwierig gestalten. Die Niedergerichtsprotokolle wurden in Lübeck in das sog. liber judicii eingetragen, das leider seit dem 19. Jahrhundert verschollen ist.430

Zum Zweiten ließe sich anhand der Urkundenbestände des Kieler Stadtarchivs sicher noch Weiteres über die Gerichtsvögte herausfinden. Als Angehörige der städtischen Oberschicht finden sich ihre Namen häufig bei Bremer und in den Urkunden. Aus diesen Quellen geht hervor, welche Funktionen sie vor oder nach ihrer Tätigkeit als Gerichtsvögte inne hatten. So waren die Gerichtsvögte Albert Arndes, Hans Koleman...

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