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Wirklichkeit und Fremdheit in Erzähltexten des deutschen Realismus

Edited By Aihong Jiang and Uwe Japp

Die Beiträge dieses Buches untersuchen die Darstellung von «Wirklichkeit und Fremdheit» in Erzähltexten des deutschen Realismus. Im Hinblick auf diese Relation analysieren die Beiträger unter anderem Werke von Friedrich Hebbel, Gottfried Keller und Theodor Storm. Methodisch bilden die Beiträge ein weites Spektrum von hermeneutischen, sozialgeschichtlichen und narratologischen Ansätzen ab. Der Tagungsband berücksichtigt auch Ergebnisse der Alteritäts- und Genderforschung. Dieses Buch dokumentiert die Resultate einer in Beijing durchgeführten Tagung, an der chinesische und deutsche GermanistInnen beteiligt waren.

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Brigittas gender trouble: Vom Sonderling zur Heldin. Zu Adalbert Stifters Brigitta (Pei Zhang)

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Pei Zhang

Brigittas gender trouble: Vom Sonderling zur Heldin. Zu Adalbert Stifters Brigitta

Brigitta gehört zweifellos zu den außergewöhnlichen Frauenfiguren in Stifters Werken. Sie befindet sich im Spannungsfeld zwischen der Nicht-Erfüllung traditioneller weiblicher Geschlechtscharakteristika und der Faszination, die sie als Heldin auf ihre Umgebung ausübt. Brigitta kann sich in ihrer Kindheit und Adoleszenz den Wertmaßstäben der Gesellschaft nicht entziehen, so dass sie sich mit deren normierend ästhetisierendem Blick anschaut, sich also ihrer Fremdheit und ihrer Andersartigkeit bewusst ist. Im ersten Teil dieser Arbeit werden die beiden grundsätzlichen Formen von Alterität, das Fremde und das Andere, in ihren Eigentümlichkeiten beleuchtet. Wegen ihrer Fremdheit wird Brigitta von der Umgebung als „das Andere“ angesehen und sie wird ein Sonderling. Anschließend wird Brigittas Werdegang von einem Sonderling zur Heldin analysiert. Das Phänomen, dass eine Heldin hier als eine ‚unweibliche Frau betrachtet werden könnte, rückt in den Mittelpunkt einer gender-orientierten Betrachtungsweise. Die Problematik von Brigittas gender trouble wird auf der Basis der Textanalyse in Anknüpfung an die theoretischen Ansätze von Butler und Irigaray untersucht.

Als „das herrlichste Weib auf dieser Erde“1 entspricht Brigittas äußere Erscheinung von Anfang an nicht den ästhetischen Ansprüchen ihrer Umwelt und fällt auch in späteren Jahren aus dem Rahmen dessen, was die Gesellschaft mit ‚Schönheit‘ zu bezeichnen gewohnt ist. Nicht nur ihr Aussehen, sondern auch ihre extravagante Kleidung und ihre...

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