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Völlerei und Adelsnation in der englischen Literatur der Frühen Neuzeit

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Thomas Schneider

Dieses Buch beleuchtet das Motiv der Völlerei in der englischen Literatur der Frühen Neuzeit. Der Autor untersucht, wie die klassische Todsünde zur Beschreibung des Eigenen und Fremden genutzt wird, um durch Selbstüberhöhung und Fremdabwertung die nationale Identität zu stärken. Sein Analysemodell vereint Erkenntnisse aus der Systemtheorie mit zentralen Befunden der Nationenforschung. Dadurch kann er die Komplexität der englischen Gesellschaft abbilden und verschiedene Arten von Identität und Alterität herausarbeiten. Das Buch wirft einen detaillierten Blick auf Eliten, soziale Restriktionen, den Kampf gegen das Fremde und das Erwachen einer jungen Nation.

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1. Einleitung

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13 1. Einleitung Abstract: This chapter introduces the research topic, identifies the key points of concern and provides evidence for the significance of the study. It argues that literary depictions of gluttony in the early modern period promote the construction of national self-awareness and strengthen the position of the nobility. Auf den ersten Blick mag es ungewöhnlich erscheinen, sich mit der Völlerei in der englischen Literatur der Frühen Neuzeit zu beschäftigen. Zwar ist übermäßi- ges Essen und Trinken in der damaligen Bevölkerung weit verbreitet, doch wird das Phänomen von den meisten Autoren nur als marginales Sujet behandelt. Dies kann man gerade an den Klassikern der Renaissanceliteratur sehr gut ab- lesen. Denn häufig bleibt in den großen Rachetragödien, Schäferromanzen und Liebesgedichten nur wenig Raum für die „banalen“ Belange der zeitgenössischen Ernährungskultur. Entsprechend leichtfertig lässt sich auch der Fehlschluss ziehen, dass die Völlerei zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden sei. Oder mit den voreiligen Worten von Morton Bloomfield: „The tradition of the Sins was dead; they no longer evolved; they no longer inspired great writing.“1 Betrachtet man jedoch die vielen Bezüge zur Maßlosigkeit im prosaischen Schrifttum und die Freude am Umgang mit korpulenten Figuren in der Lyrik und auf der Theaterbühne, offenbart sich ein völlig anderes Bild: Dann erweist sich die Völlerei als ein fester Bestandteil im religiösen Kanon des Alltagswis- sens. Selbst wenn...

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