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Völlerei und Adelsnation in der englischen Literatur der Frühen Neuzeit

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Thomas Schneider

Dieses Buch beleuchtet das Motiv der Völlerei in der englischen Literatur der Frühen Neuzeit. Der Autor untersucht, wie die klassische Todsünde zur Beschreibung des Eigenen und Fremden genutzt wird, um durch Selbstüberhöhung und Fremdabwertung die nationale Identität zu stärken. Sein Analysemodell vereint Erkenntnisse aus der Systemtheorie mit zentralen Befunden der Nationenforschung. Dadurch kann er die Komplexität der englischen Gesellschaft abbilden und verschiedene Arten von Identität und Alterität herausarbeiten. Das Buch wirft einen detaillierten Blick auf Eliten, soziale Restriktionen, den Kampf gegen das Fremde und das Erwachen einer jungen Nation.

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5. Schlussbetrachtung

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5.  Schlussbetrachtung

Abstract: Summarising the findings, this chapter confirms that gluttony promotes the construction of national self-awareness. It recalls that gluttony is used to encourage the self-fashioning of the nobility. And it verifies that gluttony is a means to draw social and national demarcation lines.

Ein zentraler Aspekt der Völlerei-Debatte besteht in der Beschäftigung mit dem Phänomen der Selbstregulierung. Immer wieder geht es um Fragen der Selbstkontrolle, des Umgangs mit physiologischen Hungergefühlen, der Verhältnismäßigkeit von Genuss und Entsagung sowie der Abwägung zwischen persönlichen und kollektiven Ansprüchen. Bei der Oberschicht fällt dieser seelenkundliche Aspekt der Sündendebatte auf fruchtbaren Boden. Denn einerseits kommt es in der Frühen Neuzeit zu einem gravierenden Zivilisierungsprozess, der eine Eindämmung von Affekten und Trieben bedingt und den Adel zu mehr Disziplin verpflichtet. Andererseits wird im selben Zeitraum eine genussorientierte Ernährung gepflegt, die sich keinem regulierenden Gestus unterwirft und den Adel zu lukullischen Exzessen antreibt. Das damit verbundene Konfliktpotenzial ist für die höfische Elite ein relevantes Thema, weil es Fragen der persönlichen Selbstbestimmung im Rahmen der aristokratischen Kultur beleuchtet. Die verschiedenen Aspekte dieses Sachverhalts werden in der Völlerei-Debatte aufgegriffen, wobei vor allem die schöngeistige Literatur bei der Deutung des Phänomens behilflich ist. Genauer gesagt tragen die Texte zur Konsolidierung des aristokratischen Selbstbildes bei, indem sie literarische Mechanismen bemühen, von denen eine sozial-kohäsive Wirkung ausgeht:

Viele der...

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