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Facetten der Einsamkeit in musikalischen Monodramen des 20. Jahrhunderts

Musikdidaktische Zugänge

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Corinna Müller-Goldkuhle

Die Autorin widmet sich musikalischen Monodramen, einer besonderen Strömung des Musiktheaters im 20. Jahrhundert. In den Bühnenwerken für nur eine Singstimme wird die Einsamkeit häufig zu einem zentralen und zeitlos aktuellen Thema. Ebenso aus musikhistorischer wie musikdidaktischer Perspektive geht dieses Buch daher der Frage nach, auf welche Weise die Stücke Zugänge zur grundlegenden, menschlichen Erfahrung der Einsamkeit ermöglichen können. Dabei entstehen vier toposanalytisch und interdisziplinär angelegte Modelle zu «Erwartung» von Arnold Schönberg, «La Voix humaine» von Francis Poulenc, «Dnevnik Annï Frank» von Grigori S. Frid und «Neither» von Morton Feldman. Zugänge über Bilder, Inszenierungen und biografisches Material runden die Ansätze ab. Musikalische Monodramen erscheinen auf diese Weise grundsätzlich in neuem Licht.

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Schlussbetrachtung

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1. Ausgangsidee

Musikalische Monodramen des 20. Jahrhunderts fokussieren das Bild eines einzelnen Menschen in einer Grenzsituation. Im Zusammenwirken musikalischer, darstellerischer und szenischer, bühnenbildnerischer Elemente bildet diese Form musikalischen Theaters, häufig als Seelen- bzw. inneres Drama konzipiert, eine Auseinandersetzung mit der psychischen Situation widerstreitender Emotionen ab. Auf diese Weise entsteht ein Monodrama aus der Idee der vereinzelten, musizierenden Stimme, welche ihr Befinden in einer ausgeweiteten Monologsituation zu äußern sucht. Nicht nur aufgrund der Situation des Alleinseins zählt Einsamkeit zu den zentralen Themen des Menschen, die Monodramen thematisieren. So setzen sich die Protagonistinnen der musikalisierten Bühnenmonologe beispielsweise als Verlassene mit ihrer Lage auseinander, reflektieren diese abseits der Gesellschaft. Aufgrund dessen findet die Annahme ihre Berechtigung, dass Monodramen des 20. Jahrhunderts auf musikalisch-dramatische Weise Zugänge zur Thematik der Einsamkeit ermöglichen. Als anthropologische Konstante besitzt diese eine hohe Bedeutsamkeit für Bildungsprozesse. Daher besteht das zentrale Anliegen dieser Arbeit darin, die in den vorgestellten Stücken enthaltenen Facetten eines Einsamkeitserlebens wahrnehmbar und kommunizierbar zu machen. Auf diesem Weg wird im Rahmen einer übergeordneten Bildungsidee, die Prozesse aktiver Kulturerschließung mit Verständnisprozessen der eigenen Persönlichkeiten zu verbinden sucht, ein Beitrag zur Didaktik musikalischen Theaters geleistet.

2. Gedankengang und methodische Überlegungen

In Hauptteil 1 erfolgen zunächst terminologische Klärungen. Einsamkeit als Thema wird in musikdidaktischer Absicht interdisziplinär aus anthropologischer, soziologischer, emotions-, wahrnehmungs- und sowie entwicklungspsychologischer Perspektive begrifflich differenziert. Ferner werden fachwissenschaftliche Grundlagen zum Typus musikalischer Monodramen gelegt....

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