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Facetten der Einsamkeit in musikalischen Monodramen des 20. Jahrhunderts

Musikdidaktische Zugänge

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Corinna Müller-Goldkuhle

Die Autorin widmet sich musikalischen Monodramen, einer besonderen Strömung des Musiktheaters im 20. Jahrhundert. In den Bühnenwerken für nur eine Singstimme wird die Einsamkeit häufig zu einem zentralen und zeitlos aktuellen Thema. Ebenso aus musikhistorischer wie musikdidaktischer Perspektive geht dieses Buch daher der Frage nach, auf welche Weise die Stücke Zugänge zur grundlegenden, menschlichen Erfahrung der Einsamkeit ermöglichen können. Dabei entstehen vier toposanalytisch und interdisziplinär angelegte Modelle zu «Erwartung» von Arnold Schönberg, «La Voix humaine» von Francis Poulenc, «Dnevnik Annï Frank» von Grigori S. Frid und «Neither» von Morton Feldman. Zugänge über Bilder, Inszenierungen und biografisches Material runden die Ansätze ab. Musikalische Monodramen erscheinen auf diese Weise grundsätzlich in neuem Licht.

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3 Innere Welten. Musikalische Ausleuchtung von Seelenräumen in Dnevnik Annï Frank (1969) von Grigori Frid

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3 Innere Welten. Musikalische Ausleuchtung von Seelenräumen in Dnevnik Annï Frank (1969) von Grigori Frid

3.1 Einführung

3.1.1 Entstehung

Grigori Samuilovič Frid komponierte in der Sowjetunion der späten 1960er Jahre das Monodrama Dnevnik Annï Frank/Das Tagebuch der Anne Frank. Hier entstanden in der kurzen Zeitspanne zwischen 1963 und 1976 ca. 10 Werke rein monodramatischer Gattung sowie einige verwandte kammerdramatische Werke.829 Auf die besondere Affinität der sowjetischen Oper zum Monodrama in den 1960er Jahren wurde bereits verwiesen (vgl. Ht. 1, Kap. 2.1).

Die ‚Monooper‘ entwickelte sich als „Operntyp, der in der Wahl der Sujets und in der Besetzung von den Prämissen des Sozialistischen Realismus abweicht. Mono-Oper meint wirklich Monolog, es gibt nur einen Darsteller.“830 So dient diese Form der Kammeroper als politisch unproblematische ‚Nische’, indem von Vorneherein die Möglichkeit ausgeschlossen wird, „das Individuum in der Gemeinschaft, im ‚Kollektiv‘ aufgehen zu lassen.“831 Insofern wird diese ca. ein Jahrzehnt lag andauernde Strömung erhöhter Monoopernkomposition in der Sowjetunion heute als eine emanzipatorische Tendenz innerhalb eines diktatorischen, von Massenideologien unterworfenen Regimes bewertet, „als ein radikales Produkt des Tauwetters.“832 Dabei bleibt sie aber auch traditionellen Kompositionstechniken verpflichtet.

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