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Der Lauf der Dinge. Wechselverhältnisse zwischen Raum, Ding und Figur bei der narrativen Konstitution von Anderwelten im «Wigalois» und im «Lanzelet»

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Pia Selmayr

In Wirnts «Wigalois» und Ulrichs «Lanzelet» nehmen Dinge eine herausragende Stellung ein, indem sie eine spezifische Sinnerweiterung erfahren. Man kann sie jedoch nicht für sich genommen betrachten, denn sie stehen in einem wechselseitigen Bezugsgefüge mit Raum und Figur. Dieses Buch verknüpft Fragestellungen des «spatial turn» mit denen des «material turn» und eröffnet dadurch einen mehrschichtigen Zugang zu dem Phänomen der Anderwelten in den ausgewählten Romanen. Mit Hilfe der Trias Raum – Ding – Figur beleuchtet die Autorin die Konstitution und Bedeutung von Anderwelten für die erzählte Welt genauer. Dies ermöglicht zugleich auch einen neuen Blick auf die Konstruktion des Bereichs des Eigenen, des Hofes.

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Raum, Gegenstand und Figur stehen in einem wechselseitigen Beziehungsgefüge. Die Wahrnehmung von räumlichen Konstituenten ist auf Figuren- und Erzählerebene wesentlich von der Handlung der Figuren und den Gegenständen abhängig, die die Räume bereichern, ausstatten und anfüllen. Figurenhandlung wiederum findet in Räumen statt; die darin geltenden oder geschaffenen Normen und Regeln beeinflussen die Möglichkeiten und Gegebenheiten des Handelns. Mit der Figurenaktion verstrickt sind zumeist Gegenstände, die Handlung auslösen, anregen oder in eine spezifische Richtung leiten und lenken können. Gegenstände können zudem Figuren charakterisieren und die in den Räumen herrschenden Ordnungsstrukturen beschreibbar machen und hervorheben. Mit Gegenständen können Relationen zwischen Figur und Raum gestiftet und auch sichtbar gemacht werden.

Wofür braucht es nun den Ausdruck des Semiophors? Wäre es nicht ausreichend, einfach von Dingen zu sprechen, die im Narrativ besonders markiert sind? Der Begriff Semiophor verspricht für die Analyse von vormodernen Erzählungen insofern einen Mehrwert, als dadurch eine Unterscheidbarkeit von Raumrequisiten und bedeutungstragenden Gegenständen möglich wird. Bei Semiophoren werden die sichtbare materielle Seite und die unsichtbare semiotische Seite ineinander verschränkt. Sie führen die Verkopplung von Sichtbarkeit und Sichtbarmachung im Materiellen vor – ihre sekundäre Bedeutung, d.h. ihre symbolische Zuschreibung, wird nach außen hin wahrnehmbar und erlebbar. Semiophoren präsentieren demnach etwas, das über ihre ursprüngliche Funktion hinausgeht und ihnen erst durch die Geschichte zu- und eingeschrieben wird. Dadurch vereinen sie Sehen,...

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