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Die Figur Cherubino in Mozarts «Le Nozze di Figaro»

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Lara Babbar

Die Autorin schlägt anhand der Figur des Cherubino einen Bogen von der Komödienvorlage Beaumarchais über Da Pontes Libretto und Mozarts Partitur bis hin zum Vergleich von Tonaufnahmen des 20. und 21. Jahrhunderts. Im Bereich der Interpretationsforschung besteht die methodische Herausforderung in dem Versuch, die analytische Auswertung schriftlicher und akustischer Musikquellen zusammenzuführen und so letztlich zum erklingenden Phänomen vorzudringen. Diese Darstellung ergänzt die Autorin materialreich mit Oszillogrammen, Tabellen und Notenbeispielen.

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1 Einleitung

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1 Einleitung

Die charmante Figur des Cherubino hat als zentrales Thema die Liebe, eingewoben in die Schönheit seiner Empfindungen und die Verwirrungen der Handlung. Er ist ein zwiegespaltenes Wesen. In verschiedenen Aspekten ist sein Ursprung schon in der Vorlage, der Komödie La folle journée ou Le mariage de Figaro, erkennbar: einmal Knabe, einmal Heranwachsender mit ersten hormonellen Regungen. Diese zeigen sich bald ziellos sexuell begierig, bald leidenschaftlich oder in ehrfürchtiger Bewunderung bei der Entdeckung der Liebe. Auch das Geschlecht der Figur ist ambivalent: Chérubin wurde für die Pariser Comédie Française 1784 als Hosenrolle geschrieben. Für den Dichter Pierre Augustin Caron de Beaumarchais war seinerzeit kein Schauspieler vorstellbar, der alle Eigenschaften seiner Figur ausdrücken konnte. Daher besetzte er die Figur mit einer Frau. Man findet eine sorgfältige Beschreibung der Figur im Vorwort der Komödie: Chérubin hat feine und anspruchsvolle Eigenschaften. Er und die Gräfin entwickeln eine angedeutete Liebesverbindung. Erst im nachfolgenden Bühnenstück, La mère coupable (1792), dem dritten Teil der Geschichte um die Figur Figaro,1 wird der Charakter dieser Liebesbeziehung konkret offenbart: Der Hauptdarsteller ist nun Leon, gemeinsamer Sohn der Gräfin und des bereits verstorbenen Chérubin.

Mozart übernahm die gängige Praxis der Hosenrolle für die Oper: Die Rolle des Cherubino singt eine Sängerin. Der Komponist schrieb zwei unsterbliche, durch alle Zeiten beliebte Arien für den Pagen. Sie gehören zum festen Repertoire der...

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