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Mit Forscherdrang und Abenteuerlust

Expeditionen und Forschungsreisen Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

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Edited By Oliver Auge and Martin Göllnitz

Der Sammelband vereint in sich zehn Beiträge der Ringvorlesung mit dem Titel «Mit Forscherdrang und Abenteuerlust», die die Abteilung für Regionalgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Sommersemester 2016 durchgeführt hat. In ihren verschriftlichten Beiträgen betrachten die Autorinnen und Autoren des Bandes die Geschichte der Expeditions- und Forschungsreisen als interuniversitäres und transnationales Phänomen. Erstmalig wird konkret für eine Hochschule und der an ihr forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach der Bedeutung und Relevanz von Expeditionen und Forschungsreisen gefragt. Dadurch erarbeiten sie unter anderem für die dänische Galathea-, die englische Challenger- oder die Kieler Plankton-Expedition gänzlich neue Erkenntnisse und Ergebnisse.

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Die „Galathea“ in Kalkutta. Naturforschung und koloniale Macht (Martin Krieger)

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Martin Krieger

Die „Galathea“ in Kalkutta. Naturforschung und koloniale Macht

Am frühen Morgen des 6. November 1845 blickte der dänische Botaniker Nathaniel Wallich (1786–1854) aus dem Fenster seines Arbeitszimmers im Botanischen Garten von Kalkutta. Direkt vor dem Haus erstreckte sich das breite Band des Hughly. Jedes Schiff, das vom Indischen Ozean flussaufwärts nach Kalkutta oder in die anderen Handelsplätze weiter im Landesinneren unterwegs war, kam hier vorbei. Schon lange hatten allerdings kaum mehr Fahrzeuge mit dem Ziel der dänischen Kolonie Serampore seinen Garten passiert. Umso erfreuter war er, als an jenem Morgen eine große, unter dem Danebrog segelnde Fregatte mit der hereinströmenden Flut vorbeiglitt.1 Die „Galathea“ war viereinhalb Monate zuvor aus Kopenhagen aufgebrochen und befand sich auf einer naturkundlichen Weltumsegelung.2 Im Mittelpunkt sollte die Erforschung der Nikobarischen Inseln stehen. Auf dem Weg dorthin machte das Schiff gut anderthalb Monate in Kalkutta Station.

Kalkutta stellte seit langem nicht allein politisches und wirtschaftliches Zentrum Britisch-Indiens dar, sondern war auch Mittelpunkt der naturkundlichen Erforschung Südasiens. Hier residierte in der Park Street die ehrwürdige Asiatic Society; Bildungs- und Forschungseinrichtungen wie das Fort William College, das Sanskrit College oder das Medical College hatten die Stadt als Wissensstandort weltbekannt gemacht. Seit drei Jahrzehnten leitete Nathaniel Wallich als Superintendent den renommierten Botanischen Garten wenige ← 23 | 24 → Kilometer flussabwärts am gegenüberliegenden Ufer des Hughly. Aus allen Teilen Indiens und aus dem verschlossenen Nepal gelangten Informationen und...

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