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Mit Forscherdrang und Abenteuerlust

Expeditionen und Forschungsreisen Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

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Edited By Oliver Auge and Martin Göllnitz

Der Sammelband vereint in sich zehn Beiträge der Ringvorlesung mit dem Titel «Mit Forscherdrang und Abenteuerlust», die die Abteilung für Regionalgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Sommersemester 2016 durchgeführt hat. In ihren verschriftlichten Beiträgen betrachten die Autorinnen und Autoren des Bandes die Geschichte der Expeditions- und Forschungsreisen als interuniversitäres und transnationales Phänomen. Erstmalig wird konkret für eine Hochschule und der an ihr forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach der Bedeutung und Relevanz von Expeditionen und Forschungsreisen gefragt. Dadurch erarbeiten sie unter anderem für die dänische Galathea-, die englische Challenger- oder die Kieler Plankton-Expedition gänzlich neue Erkenntnisse und Ergebnisse.

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Devasena auf Reisen. Der Kieler Philosoph Paul Deussen, die Briten und der „Orient“ (Tobias Delfs)

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Tobias Delfs

Devasena auf Reisen. Der Kieler Philosoph Paul Deussen, die Briten und der „Orient“

1939 veröffentlichte der Hindu-Nationalist Madhav Sadashiv Golwalkar (1906–1973) in Indien ein radikales Pamphlet namens „We or Our Nationhood Defined“.1 Es sollte bis 1947 noch drei Neuauflagen erfahren und gilt bis heute gemeinhin als die „Bibel“ eines militanten Hindu-Nationalismus.2 Golwalkar bezog sich in seinem Versuch, das „Hindutum“ (hindutva) zu definieren, unter anderem auch auf den Nationalsozialismus und dessen Umgang mit den Minderheiten, die sich die Hindus doch zum Vorbild insbesondere gegenüber der muslimischen Minorität in Indien nehmen sollten.3 Gerade die indischen Muslime dienten ihm und anderen führenden Hindu-Nationalisten als auszugrenzendes Gegenbild, über das sich, angesichts der hinduistischen Vielfalt, ex negativo eine Hindu-Nation leichter konstituieren ließ.4 Um die vermeintliche Großartigkeit seines „Hindutums“ darzustellen, bezog Golwalkar auch Europa ein und präsentierte in seinem Werk zwei Listen mit bedeutenden Persönlichkeiten, die er einander gegenüberstellte: Auf der einen Seite handelte es sich um eine beeindruckend lange Aneinanderreihung von Namen aus der Geschichte, Religion und Kultur seines hinduistischen Indiens, ← 107 | 108 → auf der anderen Seite nur um sieben „westliche“ Namen, die er als bedeutsam wahrnahm. Zu Letzteren gehörte überraschenderweise auch der Kieler Philosophieprofessor Paul Deussen (1845–1919).5 Seine Nennung ist zugleich ein Indikator für die Bedeutung, die ihm in Indien allgemein beigemessen wurde.

Schon seit Jahrhunderten existierte im deutschsprachigen Raum eine Faszination für Indien. Waren es...

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