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Mit Forscherdrang und Abenteuerlust

Expeditionen und Forschungsreisen Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

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Edited By Oliver Auge and Martin Göllnitz

Der Sammelband vereint in sich zehn Beiträge der Ringvorlesung mit dem Titel «Mit Forscherdrang und Abenteuerlust», die die Abteilung für Regionalgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Sommersemester 2016 durchgeführt hat. In ihren verschriftlichten Beiträgen betrachten die Autorinnen und Autoren des Bandes die Geschichte der Expeditions- und Forschungsreisen als interuniversitäres und transnationales Phänomen. Erstmalig wird konkret für eine Hochschule und der an ihr forschenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach der Bedeutung und Relevanz von Expeditionen und Forschungsreisen gefragt. Dadurch erarbeiten sie unter anderem für die dänische Galathea-, die englische Challenger- oder die Kieler Plankton-Expedition gänzlich neue Erkenntnisse und Ergebnisse.

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„Vielleicht sogar eventuell Karthum und später Sinai.“ Zwei Orientreisen Carl Heinrich Beckers in den Jahren 1900–1902 (Ulf Morgenstern)

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Ulf Morgenstern

„Vielleicht sogar eventuell Karthum und später Sinai.“ Zwei Orientreisen Carl Heinrich Beckers in den Jahren 1900–1902

Der Reisende und sein Reisekontext

Der im Folgenden zu behandelnde Reisende, Sohn einer deutsch-holländischen Familie von Kolonialkaufleuten, Bankiers und Kaffee-Spekulanten, der in der Sicherheit gediegenen, großbürgerlichen Reichtums aufwuchs und einem „Neigungsstudium“ nachgehen konnte, war kein Dilettant, der ein Unternehmererbe der Gründerzeit mit halbwissenschaftlichem Dekors zu vergolden suchte. Carl Heinrich Becker (1876–1933) steht vielmehr für die Gruppe von außerordentlich Begabten, deren familiärer Hintergrund es erlaubte, geistigen Begabungen nachgehen zu können, ohne Einkommensnotwendigkeiten berücksichtigen zu müssen. Max Webers berühmtes Diktum, wonach die akademische Karriere „einfach Hazard sei“1, trifft auf Becker nicht nur im-, sondern auch explizit zu, da der berühmte Soziologe noch 1917 seinen einstigen Heidelberger Fakultätskollegen Becker als Prototypen jenes von Idealismus getriebenen und von intrinsischen Erfolgen getragenen universitären Nachwuchses in Erinnerung gehabt haben mochte, dem es zwischen 1902 und 1908 vergönnt war, die „verschärfte Risikopassage“2 verdienstloser Privatdozentenjahre ex propriis zu überdauern. Im Vorfeld dieser akademischen Gesellenzeit am Neckar unternahm der 24-jährige Orientalist eine ausgedehnte Reise an den Nil, in deren Folge er vom „klassischen“, sprachhistorisch arbeitenden ← 145 | 146 → Orientalisten zu einem Islamwissenschaftler neuen Typs reifte, der sein Fach zeitgeschichtlich und kulturwissenschaftlich öffnete. Becker war modern und seine Modernität beruhte auf der Kenntnis seines arabistischen Gegenstands aus eigener Anschauung.3

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