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Demokratie in der Krise – Die politische Philosophie des Existentialismus heute

Sartre, Camus, Beauvoir im Zwiegespräch mit Kierkegaard, Nietzsche, Schmitt, Arendt, Foucault und Butler

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Edited By Alfred Betschart

Unsere Demokratien stehen vor großen politischen Herausforderungen, nicht zuletzt durch populistische Bewegungen und die Rückkehr nationalistischer Trugbilder. Die Autoren des Bandes befragen das kritische philosophische, emanzipatorische Denken der  Existentialisten Sartre, Camus und Beauvoir nicht nur in ihrem Zwiegespräch miteinander, sondern auch mit Vorläufern, Wegbereitern, Nachfolgern wie Kierkegaard, Nietzsche, Arendt, Foucault und Butler und Gegnern wie Schmitt.

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Sartres politische Spätphilosophie – vom Marxismus zum Anarchismus (Alfred Betschart)

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Alfred Betschart

Sartres politische Spätphilosophie – vom Marxismus zum Anarchismus

Im 1978 in El País erschienenen Interview des spanischen Schriftstellers Juan Goytisolo mit Jean-Paul Sartre stellte letzterer fest (CCJPS1 VII):

Ich denke, dass der Anarchismus eine der Kräfte ist, die den Sozialismus von morgen bauen kann. Persönlich habe ich mich immer als Anarchisten verstanden.

Eine ähnliche Aussage findet sich im Interview, das der kubanische Philosoph Raúl Fornet-Betancourt und dessen beiden Kollegen mit Sartre 1979 führten und 1982 unter dem Titel Anarchie et Morale veröffentlichten (AM 365):

Ich habe mich als einen Anarchisten bezeichnet, weil ich das Wort An-archie in seiner etymologischen Bedeutung benutze, also als eine Gesellschaft ohne Macht, ohne Staat.

Sartre verstand sich am Ende seines Lebens als Anarchisten – einen anderen Schluss lassen die beiden Interviews nicht zu.

Sartres Verhältnis zur politischen Philosophie war nie einfach. In der ersten Periode bis 1941 war Sartre weitgehend unpolitisch. Aufgrund seiner grundlegenden Kritik an, ja sogar Verweigerung gegenüber Gesellschaft und Staat kann diese Periode als protoanarchistisch bezeichnet werden (TB 272). Sartres Auseinandersetzung mit der Politik setzte erst 1941 nach seiner Rückkehr aus Krieg und Gefangenschaft ein. Sein (lebenslanges) politisches Programm findet sich im Namen seiner damals gegründeten, aber nur kurzlebigen Widerstandsgruppe: Socialisme et liberté. Der Aufstieg des Existentialismus in der unmittelbaren Nachkriegszeit führte im Verbund mit der Gründung der Zeitschrift Temps Modernes 1945...

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