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Erinnerungsimplantate – Der (Wieder-)Aufbau der Schlösser in Posen und Berlin im interdisziplinären Vergleich

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Edited By Dominika Gortych, Guido Hinterkeuser and Łukasz Skoczylas

Die interdisziplinäre Studie zu den (Wieder-)Aufbauprojekten des Berliner und Posener Schlosses verdeutlicht die unterschiedlichen Intentionen von Erinnerungsimplantaten. Die Autoren untersuchen die historische und kunstgeschichtliche Bedeutung der Schlösser mit Blick auf den Verlauf der Entscheidungsprozesse und der begleitenden Pressedebatten sowie schließlich auf die öffentliche Wahrnehmung der Bauten. Während das Berliner Projekt sich unter weitgehender Ausblendung der politischen zumindest ansatzweise auf die kulturelle Tradition Preußens beruft und als ein wichtiges Image-Projekt Deutschlands fungiert, hat das Posener fast ausschließlich eine lokale und politische Dimension, die nur im Kontext der Konkurrenz polnischer Städte um nationale Bedeutung zu verstehen ist.

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3. Die Rekonstruktion der Schlösser in Berlin und Posen aus kunsthistorischer Sicht (Guido Hinterkeuser)

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3.1. Zum Begriff des Kunsthistorischen

Was unter dem Terminus der kunsthistorischen Sichtweise zu verstehen ist, bedarf der Erklärung. Dabei ist vorwegzunehmen, dass der Begriff im Folgenden nicht auf die langwierigen und kontrovers geführten Debatten bezogen wird, welche Rekonstruktionsprojekte stets begleiten, obwohl darin selbstredend auch Kunsthistoriker Position beziehen und kunsthistorische Argumente dafür oder dagegen ins Feld führen. So hatte sich beispielsweise das Kunsthistorische Institut der Posener Universität in einer offiziellen Erklärung grundsätzlich gegen die Rekonstruktion des dortigen Königsschlosses ausgesprochen. Und auch in Deutschland bezog seit 1990 ein Großteil der Kunsthistoriker eher eine ablehnende Position gegen die zahlreichen Rekonstruktionsvorhaben, die seit dieser Zeit diskutiert und in Angriff genommen wurden. Insbesondere Denkmalpfleger, zumal die amtlich bestallten, die fast immer zugleich auch Kunsthistoriker sind, wenden sich meist, aus unterschiedlichen Motiven heraus, mehr oder minder deutlich gegen Rekonstruktionen.

Um die Argumentationsmuster also, die die hitzigen Rekonstruktionsdebatten bestimmen und die sowohl von denkmalpflegetheoretischen als auch gesellschaftlichen und tagespolitischen Aspekten beherrscht werden, soll es in diesem Abschnitt nur am Rande gehen. Davon handeln die nachfolgenden Kapitel. Allerdings entscheiden diese Debatten am Ende nicht nur darüber, ob ein verlorenes Baudenkmal schließlich rekonstruiert wird. Sie nehmen auch Einfluss auf die Rekonstruktion selbst, indem sie beispielsweise Kompromisslösungen erzwingen oder nur Teilrekonstruktionen zulassen. Bei der kunsthistorischen Würdigung eines rekonstruierten Gebäudes hat man also erst einmal zu berücksichtigen, wie viel Rekonstruktion erlaubt wurde und was gesellschaftlich gewollt war. Vor allem jedoch...

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