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Erinnerungsimplantate – Der (Wieder-)Aufbau der Schlösser in Posen und Berlin im interdisziplinären Vergleich

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Dominika Gortych, Guido Hinterkeuser and Łukasz Skoczylas

Die interdisziplinäre Studie zu den (Wieder-)Aufbauprojekten des Berliner und Posener Schlosses verdeutlicht die unterschiedlichen Intentionen von Erinnerungsimplantaten. Die Autoren untersuchen die historische und kunstgeschichtliche Bedeutung der Schlösser mit Blick auf den Verlauf der Entscheidungsprozesse und der begleitenden Pressedebatten sowie schließlich auf die öffentliche Wahrnehmung der Bauten. Während das Berliner Projekt sich unter weitgehender Ausblendung der politischen zumindest ansatzweise auf die kulturelle Tradition Preußens beruft und als ein wichtiges Image-Projekt Deutschlands fungiert, hat das Posener fast ausschließlich eine lokale und politische Dimension, die nur im Kontext der Konkurrenz polnischer Städte um nationale Bedeutung zu verstehen ist.

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Einleitung

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Mit dem Bau des Humboldt-Forums im historischen Gewand der drei Barockfassaden des einstigen Berliner Schlosses wagte die Bundesrepublik nicht nur eines der teuersten Bauvorhaben in Deutschland, sondern auch vermutlich das wichtigste kulturelle und gedächtnispolitische Projekt zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die große Bedeutung der Investition, die sich bis heute auf ca. 620 Millionen Euro beläuft, resultiert einerseits aus der Beschaffenheit des Orts, an dem sie durchgeführt wird: im mit einer jahrhundertelangen und inhaltsreichen Tradition beladenen Zentrum der Hauptstadt und damit auch des Staates. Andererseits steht diese Bedeutung mit dem Bedürfnis des wiedervereinigten Deutschlands im Zusammenhang, seine Verschiedenheit von den Staaten, aus denen es entstanden ist, zu betonen sowie ein für die eigene Selbstwahrnehmung grundlegendes Werteprofil zu bestimmen.

Eine andere Dimension hatte der (Wieder-)Aufbau des Königsschlosses in der Hauptstadt Großpolens, Posen (Poznań). Als das Posener Nationalmuseum in die Ausweitung seiner Ausstellungsflächen investierte, entschied man sich für einen historisierenden Bau auf dem Przemysł-Hügel, der an das einstige Königsschloss erinnern und damit den besonderen genius loci dieser Gegend ins Leben zurückrufen sollte. Doch die Bedeutung des Posener (Wieder-)Aufbaus reicht – im Gegensatz zum Berliner Humboldt-Forum – nicht über die lokale Symbolik hinaus. Trotzdem riefen beide Projekte zahlreiche Kontroversen hervor, die man einer mehrdimensionalen Analyse unterziehen kann: angefangen bei der Idee des (Wieder-)Aufbaus selbst, über Entscheidungen zu seiner Form und Finanzierung bis hin zu Nutzungskonzepten der neuen Gebäude. Zeitgleich wurden Auseinandersetzungen sowohl auf einer...

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