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Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze 1949–1989

Ein biografisches Handbuch

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Edited By Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Dieses Handbuch enthält die Biografien von 327 Todesopfern aus Ost und West, denen das DDR-Grenzregime zum Verhängnis wurde. Bei den Flüchtlingen, die erschossen, durch Minen und Selbstschussanlagen ums Leben kamen oder in Grenzgewässern ertranken, handelte es sich überwiegend um junge Menschen, die sich bewusst für den lebensgefährlichen Weg in die Freiheit und gegen die SED-Diktatur entschieden hatten. Zu ihrem Gedenken soll dieses Handbuch beitragen. Es enthält auch die Lebensgeschichten von Zivilpersonen aus beiden deutschen Staaten, die ohne Fluchtabsichten dem DDR-Grenzregime zum Opfer fielen, und weiterhin die Schicksale von deutschen und sowjetischen Deserteuren, deren Fahnenfluchten an der DDR-Grenze tödlich scheiterten. Zusätzliche biografische Angaben widmen sich Grenzsoldaten, die aus Verzweiflung über die Zwänge des Dienstes in den Grenztruppen Suizid begingen, sowie jenen DDR-Grenzwächtern, die von westlicher Seite, von Fahnenflüchtigen oder von eigenen Kameraden, irrtümlich als Flüchtlinge erschossen wurden.

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Einleitung

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Mehr als vier Millionen Menschen verließen zwischen 1949 und 1989 die DDR, weil sie mit den politischen Verhältnissen und den Lebensbedingungen in diesem Staat nicht einverstanden waren. Das SED-Regime war zu keinem Zeitpunkt durch die Zustimmung einer Mehrheit der ihm unterworfenen Bevölkerung legitimiert. Die SED hat weder auf Länderebene in der Sowjetischen Besatzungszone und Groß-Berlin noch am Ende der deutschen Teilung in der noch existierenden DDR als SED/PDS in freien Wahlen eine absolute Mehrheit errungen. Für die Mehrheit der DDR-Bürger blieb vielmehr die Bundesrepublik in politischer, kultureller und vor allem wirtschaftlicher Hinsicht der positiv besetzte Vergleichsmaßstab gegenüber den Verhältnissen im SED-Staat. Mit diesem Handbuch soll an die Todesopfer des DDR-Grenzregimes, ihre Beweggründe und ihre Lebensgeschichten erinnert werden.

Schon unmittelbar nach der Aufteilung Deutschlands in Zonen begann die sowjetische Besatzungsmacht mit der Kontrolle ihrer Westgrenze. Bereits vor der Gründung der beiden deutschen Staaten stellte die sowjetische Militäradministration in der SBZ eine deutsche Grenzpolizei auf, in der über 10 000 Männer ihren Dienst verrichteten. Die Verantwortlichen in der DDR definierten ihr Grenzregime als die „Gesamtheit der spezifischen Rechtsnormen des Staates zur Regulierung der Verhältnisse an der Staatsgrenze sowie des Verkehrs und der Kommunikation über sie und das darauf begründete Tätigwerden der zur Sicherung eingesetzten/handelnden Staatsorgane und gesellschaftlichen Kräfte“.1 Das „Tätigwerden“ zur Grenzsicherung umfasste:

• Die Überwachung der Staatsgrenze und des davor befindlichen Sperrgebiets durch polizeiliche und milit...

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