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Die Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze 1949–1989

Ein biografisches Handbuch

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Klaus Schroeder and Jochen Staadt

Dieses Handbuch enthält die Biografien von 327 Todesopfern aus Ost und West, denen das DDR-Grenzregime zum Verhängnis wurde. Bei den Flüchtlingen, die erschossen, durch Minen und Selbstschussanlagen ums Leben kamen oder in Grenzgewässern ertranken, handelte es sich überwiegend um junge Menschen, die sich bewusst für den lebensgefährlichen Weg in die Freiheit und gegen die SED-Diktatur entschieden hatten. Zu ihrem Gedenken soll dieses Handbuch beitragen. Es enthält auch die Lebensgeschichten von Zivilpersonen aus beiden deutschen Staaten, die ohne Fluchtabsichten dem DDR-Grenzregime zum Opfer fielen, und weiterhin die Schicksale von deutschen und sowjetischen Deserteuren, deren Fahnenfluchten an der DDR-Grenze tödlich scheiterten. Zusätzliche biografische Angaben widmen sich Grenzsoldaten, die aus Verzweiflung über die Zwänge des Dienstes in den Grenztruppen Suizid begingen, sowie jenen DDR-Grenzwächtern, die von westlicher Seite, von Fahnenflüchtigen oder von eigenen Kameraden, irrtümlich als Flüchtlinge erschossen wurden.

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Todesfälle im kausalen Zusammenhang des DDR-Grenzregimes

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Bildquelle: FSB Archiv / Memorial Moskau

Fünf Volkspolizisten des Grenzpostens Kietz an der Elbe hatten für den 4. September 1950 die gemeinsame Flucht in den Westen verabredet. Einer von ihnen war ein Informant des Staatsicherheitsdienstes. Er verriet die Fluchtpläne seiner vier Kameraden. Sie wurden der sowjetischen Militärjustiz übergeben, zum Tode verurteilt und in Moskau hingerichtet. Darüber hinaus kam es in der Grenzbereitschaft zu acht weiteren Verhaftungen. Das MfS verhaftete zwischen dem 4. und 15. September 1950 die 13 Volkspolizisten des Grenzpostens Kietz an der Elbe unter der Beschuldigung, sie hätten eine „faschistische Untergrundorganisation“ gebildet und vom Kommando Kietz aus die politische Zersetzung in der Volkspolizeibereitschaft organisiert. Die Information über die angebliche Untergrundorganisation stammte von einem Stasi-Informanten: „Dem Verbindungsoffizier der Grenzbereitschaft Eldena wurde von ‚Kirche‘ gemeldet, daß die Vp.-Angestellten Roth, Wrona, Krause und Schwieger sich in der Nacht vom 4. zum 5.9.1950 zum Westen absetzen wollten.“ Die Wachtmeister Egon Roth und Horst Schwieger sollen nach „Kirches“ Angaben die Anführer der Gruppe gewesen sein.

Gerhardt Hinze arbeitete nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann seit 1947 zunächst als Forstarbeiter. Er meldete sich 1949 freiwillig zur Volkspolizei und kam seit Januar 1950 beim Grenzposten Kietz an der Elbe zum Einsatz. Obwohl er Kandidat der SED war, soll er sich einer Gruppe von Grenzpolizisten angeschlossen haben, die Gegner des SED-Regimes waren. Der DDR-Staatssicherheitsdienst nahm ihn am 6. September 1950 fest und lieferte ihn am 16. September 1950 der sowjetischen Militärjustiz aus,...

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