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Transiträume und transitorische Begegnungen in Literatur, Theater und Film

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Edited By E.W.B. Hess-Lüttich, Sabine Egger and Withold Bonner

In Literatur und Medien sind Bahnhöfe, Flughäfen, Häfen, Parkplätze (und die damit assoziierten Verkehrsmittel) allgegenwärtig. Das gilt auch für Flüchtlingslager und deren Umgebungen. Angesichts transnationaler Mobilität als Alltagserfahrung sind «Transiträume» (Foucault), «Räume» (de Certeau), «Nicht-Orte» (Augé) und «liminale» Räume (Turner) im «Grenzbereich» (Lotman) zu einem unübersehbaren Topos geworden. In der Sprach-, Literatur- und Kulturtheorie trägt das Konzept des «spatial turn» dieser Entwicklung Rechnung. Transitorische Begegnungen in Grenzbereichen sind zugleich eine Herausforderung für das offene Konzept der Interkulturalität. Dies diskutiert der vorliegende Band anhand von Fragen wie diese: Was für Begegnungen finden in Transiträumen statt? Stellen derartige Begegnungen bestehende Identitätskonzepte in Frage? Kann ein Transitraum einen Rahmen für Transdifferenz oder Hybridität bilden? Wie beeinflusst die Bewegung in verschiedenen Transportmitteln sinnliche und kulturelle Perspektiven? Wie unterscheiden sich Räume in verschiedenen Gattungen, Medien oder Künsten? Wie stehen sie miteinander in Bezug? Experten interkultureller Germanistik aus aller Welt antworten darauf in ihren Beiträgen aus literatur-, kultur- und medienwissenschaftlicher Sicht.

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Eine Neuverortung des migrierenden Subjekts – Anna Seghers Transit (Astrid Henning-Mohr)

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Astrid Henning-Mohr (Oldenburg)

Eine Neuverortung des migrierenden Subjekts – Anna Seghers Transit

Abstract: In the light of their own experience of exile between the 1930s and 1950s, a number of artists, including Anna Seghers, began to break with the existing notions of national identity in their works. In Transit, Anna Seghers offers an atmospheric description of exile as a dark space between, while turning it into an internal, physical matter. In doing so, this dark space becomes a transitionary tunnel leading towards an identification point for the person living in exile, as opposed to remaining within the constructed moments of arrival and origin. In other words, Seghers’ protagonist inhabits Homi Bhabhas’ “Third Space” years before its actual conception. This article focuses on this artistic cultural space in which a renegotiation of the modern subject – beyond set national and cultural affiliations – begins.

1 Einleitung

Anna Seghers Roman ist nicht nur einmal als ihr bedeutendster und schönster Roman beschrieben worden, er hat nicht nur Gnade vor dem Argusauge Reich-Ranickis gefunden, und das obwohl er gänzlich ohne Erotik auskommt, sondern auch das bundesdeutsche Anna- Seghers-Bild als Erzählerin ein wenig gerettet. Was dem Roman bisher allerdings nicht entnommen worden ist, das möchte ich unternehmen: Seine Bedeutung für einen kulturellen Bruch mit der Identifizierung des Flüchtlings herausstellen. Und das macht dieser Roman ganz leise, ganz zart, ohne große Entwürfe, ja, sogar mit einer beständigen Betonung des Ekels und des...

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