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Transiträume und transitorische Begegnungen in Literatur, Theater und Film

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Edited By E.W.B. Hess-Lüttich, Sabine Egger and Withold Bonner

In Literatur und Medien sind Bahnhöfe, Flughäfen, Häfen, Parkplätze (und die damit assoziierten Verkehrsmittel) allgegenwärtig. Das gilt auch für Flüchtlingslager und deren Umgebungen. Angesichts transnationaler Mobilität als Alltagserfahrung sind «Transiträume» (Foucault), «Räume» (de Certeau), «Nicht-Orte» (Augé) und «liminale» Räume (Turner) im «Grenzbereich» (Lotman) zu einem unübersehbaren Topos geworden. In der Sprach-, Literatur- und Kulturtheorie trägt das Konzept des «spatial turn» dieser Entwicklung Rechnung. Transitorische Begegnungen in Grenzbereichen sind zugleich eine Herausforderung für das offene Konzept der Interkulturalität. Dies diskutiert der vorliegende Band anhand von Fragen wie diese: Was für Begegnungen finden in Transiträumen statt? Stellen derartige Begegnungen bestehende Identitätskonzepte in Frage? Kann ein Transitraum einen Rahmen für Transdifferenz oder Hybridität bilden? Wie beeinflusst die Bewegung in verschiedenen Transportmitteln sinnliche und kulturelle Perspektiven? Wie unterscheiden sich Räume in verschiedenen Gattungen, Medien oder Künsten? Wie stehen sie miteinander in Bezug? Experten interkultureller Germanistik aus aller Welt antworten darauf in ihren Beiträgen aus literatur-, kultur- und medienwissenschaftlicher Sicht.

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Genau 10 Jahre vor der Tagung der Gesellschaft für interkulturelle Germanistik in Limerick, aus der die hier vorgelegte Band hervorgegangen ist, wurden die Filmfestspiele von Venedig mit dem Film „Terminal“ von Stephen Spielberg eröffnet, mit Tom Hanks und Catherine Zeta-Jones in den Hauptrollen. Er handelte von dem authentischen Fall eines Reisenden, der im Transitbereich eines Flughafens strandet und weder einreisen darf (Sicherheitschef Dixon: „America is closed“) noch in seine Heimat zurückgeschickt werden kann. Die Idee zu dem Film basierte auf dem Schicksal des Iraners Mehram Karimi Nasseri, der von 1988 bis 2006 auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle lebte. Mit seinem Film bezog Spielberg programmatisch Stellung gegen die post-9/11-Paranoia der US-Regierung unter George W. Bush mit der Gründung des ‚Heimatschutzministeriums‘ (US Department of Homeland Security) und dessen von Misstrauen gegenüber Fremden und Migranten geprägte Abschottungspolitik.

An diesen Film musste ich bei der Lektüre der Beiträge zu diesem Buch wieder denken, und daran, wie schnell unser „nomadisches Dasein zwischen Ländern und Metropolen, zwischen Urlaub und Dienstfahrt, Transitlounge und Hotel“ – so schrieb Dirk Schümer seinerzeit in seiner Kritik für das Feuilleton der Frankfurter←5 | 6→ Allgemeine (04.10.2014) – „unbehaust“ werden kann.1 Ich dachte aber auch an den Fall des chinesischen Menschenrechtlers Feng Zhenghu, dem die chinesischen Sicherheitsbehörden die Rückreise in seine Heimat verweigerten und der deshalb monatelang im Transitbereich des Flughafens Tokio-Nerita festsaß; an die zahllosen „sans papiers“ in Frankreich oder in der Schweiz, die...

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