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Kieler Meeresforschung im Kaiserreich

Die Planktonexpedition von 1889 zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit

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Lisa Kragh

Die Freiheit der Forschung stieß schon immer an gewisse Grenzen, wenn Wissenschaftler auf die Finanzierung ihrer Untersuchungen durch Dritte angewiesen waren. Neben persönlichen Netzwerken entschied in einer solchen Konstellation oft die subjektiv empfundene Nützlichkeit des Projekts über den Ausgang von Finanzierungsverhandlungen. Folglich gewann die Überzeugungskraft der ins Feld geführten Rechtfertigungsnarrative großen Einfluss auf die Realisierbarkeit kostspieliger Forschungsvorhaben. Am Beispiel der von Victor Hensen konzipierten Planktonexpedition von 1889 zeichnet diese Studie anschaulich die Genese einer erfolgreichen Legitimationsstrategie nach und konturiert die vorgebrachten wissenschaftsimmanenten, machtpolitischen und ökonomischen Motive sowie die Nachwirkungen der Expedition vor dem Hintergrund des Kaiserreichs.

Die Studie wurde mit dem Nachwuchspreis der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte ausgezeichnet.

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I. Einleitung

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I.   Einleitung

I.1   Hinführung

Sechs Kieler Wissenschaftler, 16.000 Seemeilen, dreizehn Wochen und mehr als 140 Planktonzüge – auf diese knappe Formel lässt sich die Planktonexpedition von 1889 bringen, deren Auswertung mehrere Dutzend Forscher und Nachwuchswissenschaftler über zwanzig Jahre lang beschäftigte.1 Die praktische wissenschaftliche Arbeit an Bord des zum Forschungsschiff umgerüsteten Dampfers National schilderte Teilnehmer Otto Krümmel (1854–1912), Ordinarius für Geographie, im ersten Band des Expeditionsberichts:

„Unmittelbar nach dem Frühstück […] folgte der erste Planktonzug, Anfangs 400, später meist 200 m vertikal aufwärts, darauf ein Zug mit dem Vertikalnetz, meist von 400 m Tiefe aufwärts, endlich Schliessnetzzüge in variablen Tiefen. Die Fänge wurden von Prof. Brandt, Dr. Schütt und Dr. Dahl in Empfang genommen, sofort sortirt und konservirt, was regelmässig die Vormittagsstunden, öfter die Zeit bis gegen 2 oder 3 Uhr Nachmittags in Anspruch nahm. Das Herablassen der Netze dirigirte in den ersten Tagen der Leiter der Expedition persönlich […]. Sobald die Netzzüge beendet waren und der Dampfer wieder Fahrt machte, nahm ich meine Wasserproben zur Untersuchung des specifischen Gewichts mit Aräometer, Refraktometer oder Chlortitrirung, und Prof. Fischer schöpfte mit einem einfachen sterilisierten Schöpfröhrchen eine Probe zur Untersuchung der Meeresbacillen, oder er nahm Luftproben zum gleichen Zwecke; das Aussäen, Umpflanzen und die mikroskopische Untersuchung seiner Fänge hielt ihn fast den ganzen Tag in dem Deckhäuschen über unserem Bibliotheksraum...

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