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Österreichische Literatur zwischen Moderne und Postmoderne

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Stefan H. Kaszynski

Das Buch ist ein Wegweiser durch die österreichische Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts. Der Autor nutzt als stoffordnendes Prinzip seine Theorie des österreichischen Kultur-Codes, um sinnstiftende Zusammenhänge zu bilden, die das Zusammenwachsen einer Literatur zeigen, welche aus vielen Kulturtraditionen besteht. Die multinationale Herkunft verleiht dieser Literatur eine Verwandlungsfähigkeit, die ihr die Überbrückung der Katastrophen des 20. Jahrhunderts ermöglichte. Im Zentrum der Untersuchung stehen zwei aufeinander eingestimmte Bewegungen, die Moderne und die Postmoderne, welche das Bewusstsein der österreichischen Literatur geprägt haben. Der Autor analysiert die charakteristischen Merkmale dieser Bewegungen unter anderem anhand der Werke von Arthur Schnitzler, Robert Musil, Rainer Maria Rilke, Franz Kafka, Elias Canetti, Paul Celan, Ingeborg Bachmann und Peter Handke.

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III. Literatur im Zeitalter der Unbeständigkeit

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III.  Literatur im Zeitalter der Unbeständigkeit

Auf der Suche nach der schwindenden Wirklichkeit

Im August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus, er dauerte vier Jahre und endete mit der Niederlage des Bündnisses der Mittelmächte, dem neben dem Deutschen Reich auch die Österreich-Ungarische Monarchie angehörte. Der Krieg, in dem fast 30 Millionen Menschen ihr Leben lassen mussten, hatte einen besonders blutigen Verlauf genommen. In seiner Konsequenz zerfielen drei Großmächte, die über ein Jahrhundert die Geschicke Europas entschieden hatten. Die Österreichisch-Ungarische Monarchie teilte nach dem Kriege das Schicksal des Deutschen Reiches und des zaristischen Russlands. Die Donaumonarchie löste sich auf und infolge dieses Prozesses kam es zur Gründung mehrerer politisch souveräner Nationalstaaten. So entstanden unabhängige Staaten wie Ungarn, Rumänien, die Tschechoslowakei, Jugoslawien; Galizien wurde der neugegründeten Republik Polen einverleibt. Auf der Grundlage der übriggebliebenen Erbländer der Habsburger wurde Republik Österreich ins Leben gerufen, der es verboten wurde, sich mit Deutschland zu vereinigen. Der deutschsprachige Schrumpfstaat, der bereits bald als Erste Österreichische Republik bezeichnet wurde, war durch den Zwang der Geschichte aus dem Kontext des Vielvölkerstaates herausgerissen und so von seiner bisherigen multinationalen Kulturtradition und seinem wirtschaftlichen Hinterland abgetrennt. Diese Trennung brachte nicht nur schmerzliche wirtschaftliche Verluste mit sich, sondern rüttelte auch an der im Rahmen der Habsburgermonarchie im 19. Jahrhundert mühsam aufgebauten österreichischen Staatsidentität. Das neue republikanische Österreich war kein Nationalstaat, weil es in Österreich kein ethnisch...

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