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Österreichische Literatur zwischen Moderne und Postmoderne

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Stefan H. Kaszynski

Das Buch ist ein Wegweiser durch die österreichische Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts. Der Autor nutzt als stoffordnendes Prinzip seine Theorie des österreichischen Kultur-Codes, um sinnstiftende Zusammenhänge zu bilden, die das Zusammenwachsen einer Literatur zeigen, welche aus vielen Kulturtraditionen besteht. Die multinationale Herkunft verleiht dieser Literatur eine Verwandlungsfähigkeit, die ihr die Überbrückung der Katastrophen des 20. Jahrhunderts ermöglichte. Im Zentrum der Untersuchung stehen zwei aufeinander eingestimmte Bewegungen, die Moderne und die Postmoderne, welche das Bewusstsein der österreichischen Literatur geprägt haben. Der Autor analysiert die charakteristischen Merkmale dieser Bewegungen unter anderem anhand der Werke von Arthur Schnitzler, Robert Musil, Rainer Maria Rilke, Franz Kafka, Elias Canetti, Paul Celan, Ingeborg Bachmann und Peter Handke.

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IV. Vom Anschluss zur Emigration

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IV.  Vom Anschluss zur Emigration

Der literarische Anschluss

Die Einverleibung der Republik Österreich in die politische Struktur des Dritten Reiches, auch als Anschluss bekannt, wurde von dem in Braunau geborenen Reichskanzler Adolf Hitler am 12. März 1938 den auf dem Wiener Heldenplatz versammelten Massen verkündet. Wie die Aufnahmen von dieser Feier zeigen, haben die in großer Zahl anwesenden Wiener den Verlust ihrer Unabhängigkeit mit Begeisterung begrüßt. Die Erste Republik war von den Nazis schon lange vor ihrem Ende von Nazis unterwandert. Sowohl die NSDAP als auch legale Organisationen, die deutschnationales „Gedankengut“ popularisierten, waren in Österreich sehr aktiv. Im Zuge des politischen Umbruchs von 1934 wurden die zerstrittenen politischen Parteien delegalisiert und Österreich in einen faschistischen Ständestaat umgewandelt. Gleichzeitig aber versuchte sich Österreich von Nazideutschland zu distanzieren, trotz dieser antidemokratischen Maßnahmen konnte man letztendlich den von langer Hand vorbereiteten Anschluss nicht mehr verhindern, zumal dieser noch durch eine erzwungene Volksabstimmung bestätigt wurde. Österreich wurde unter der Bezeichnung Ostmark zu einer Provinz des Dritten Reiches erklärt. Die Ostmark war der Gesetzgebung des III. Reiches unterstellt, was sich auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens bemerkbar machte. Auch die Kulturpolitik wurde den neuen Bedingungen angepasst, die meisten Kulturinstitutionen wurden eingestellt, Verlage, Theater, Museen, Philharmonien und die Filmproduktion wurden zwangsweise „arisiert“. Auch Zeitschriften waren von diesen Maßnahmen betroffen, u.a. das vom Lyriker Ernst Schönwiese redigierte exklusive Periodikum „Das Silberboot“ oder der vom Dichter Otto Basil herausgegebene...

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