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Österreichische Literatur zwischen Moderne und Postmoderne

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Stefan H. Kaszynski

Das Buch ist ein Wegweiser durch die österreichische Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts. Der Autor nutzt als stoffordnendes Prinzip seine Theorie des österreichischen Kultur-Codes, um sinnstiftende Zusammenhänge zu bilden, die das Zusammenwachsen einer Literatur zeigen, welche aus vielen Kulturtraditionen besteht. Die multinationale Herkunft verleiht dieser Literatur eine Verwandlungsfähigkeit, die ihr die Überbrückung der Katastrophen des 20. Jahrhunderts ermöglichte. Im Zentrum der Untersuchung stehen zwei aufeinander eingestimmte Bewegungen, die Moderne und die Postmoderne, welche das Bewusstsein der österreichischen Literatur geprägt haben. Der Autor analysiert die charakteristischen Merkmale dieser Bewegungen unter anderem anhand der Werke von Arthur Schnitzler, Robert Musil, Rainer Maria Rilke, Franz Kafka, Elias Canetti, Paul Celan, Ingeborg Bachmann und Peter Handke.

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V. Der Neubeginn nach 1945

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V.  Der Neubeginn nach 1945

Der Wiederaufbau

Die bedingungslose Kapitulation des Dritten Reiches hatte die zeitlich ausgedehnte Rückgewinnung der politischen Unabhängigkeit Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglicht. Auf die Wiederherstellung einer freien und demokratischen, in keiner Weise mit Deutschland verbundenen Österreichischen Republik einigten sich die Alliierten bereits 1943 im Rahmen der sog. Moskauer Deklaration, damals wurde Österreich zum ersten Opfer der aggressiven Politik Nazideutschlands erklärt. Damit hatte man die Österreicher von der Mitverantwortung an den Kriegsverbrechen des Dritten Reichs im völkerrechtlichen Sinne freigesprochen. Diese Entscheidung sollte das angeschlagene Selbstbewusstsein der Österreicher stärken, führte aber zugleich zu einer fatalen Verdrängung der Frage nach der eigenen Schuld.

Praktisch wurde Österreich 1945 ebenso wie Deutschland in Besatzungszonen aufgeteilt. Im geteilten Wien hatte man eine österreichische Regierung eingesetzt, die den Besatzungsmächten unterstellt war. Ihre Aufgabe bestand darin, das administrative, wirtschaftliche und kulturelle Leben in der Zweiten Republik Österreich nach demokratischen Mustern zu reformieren und das geteilte Land administrierbar zu machen. Zu diesem Zweck musste man in der Anfangsphase eine partielle Entnazifizierung durchführen, wobei sie nicht so radikal wie in Deutschland verlief. Schließlich waren die Österreicher aufgrund der von der Moskauer Deklaration ermöglichten Geschichtsinterpretation eher Opfer als Täter. Auf seine volle politische Unabhängigkeit sollte Österreich allerdings bis zum Jahre 1955 warten, als der Friedensvertrag mit den Großmächten unterzeichnet wurde. Bereits bald nach der Befreiung hatte man in Österreich damit...

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