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Die gespiegelte Schweiz

Erzählte Zeitgeschichte in ausgewählten Romanen von Jakob Bosshart, Meinrad Inglin, Kurt Guggenheim und Charles Lewinsky

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Ewa Mazurkiewicz

Das Buch verfolgt anhand von vier Schweizer Romanen die aus diversen Perspektiven gespiegelte, zwischen 1871 und 1945 situierte Schweizer Geschichte. Die Werke «Ein Rufer in der Wüste» (1921) von Jakob Bosshart, «Schweizerspiegel» (1938) von Meinrad Inglin, «Alles in Allem» (1952–1955) von Kurt Guggenheim und «Melnitz» (2006) von Charles Lewinsky, in der kritischen Rezeption oft als «Schweizerspiegel» etikettiert, vermitteln ein komplementäres, großangelegtes, als Zeitgemälde gedachtes Panorama-Bild der Schweiz. Mit der Annäherung an ausgewählte literarästhetische Tendenzen sowie Autoren der deutschsprachigen Schweiz des 20. Jahrhunderts zeigt die Autorin auf, inwieweit sich das Land mitsamt dessen Politik, Geschichte und Gegenwart in seiner Literatur spiegelt und Grundlage für das Konstruieren literarischer Fiktion wird.

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2. Epochenruf eines Einsamen. Jakob Bosshart: Ein Rufer in der Wüste

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Obwohl Jakob Bossharts zwischen 1892 und 1924 liegende literarische Tätigkeit im ästhetischen Umfeld der ihre Blütezeit erlebenden Heimatromane etwa von Jakob Christoph Heer, Heinrich Federer und Ernst Zahn situiert ist, wandte sich der aus einer Bauernfamilie stammende Schriftsteller entschieden von „idyllisierenden Formen der Darstellung“1 ab und erschloss parallel etwa zu Paul Illg, Jakob Bührer und Carl Albert Loosli eine neue, zeit- und gesellschaftskritische Erzähltradition innerhalb der Deutschschweizer Literatur. Als einer der ersten unter seinen helvetischen Zeitgenossen nahm er die Ideen des Naturalismus in sein Frühwerk auf, ohne sich jedoch von dieser zu jener Zeit in europäischen Literaturen vorherrschenden Strömung allzu sehr beeinflussen zu lassen.2 In der literarischen Darstellung interessierten ihn zwar die Verhältnisse „von Erbanlage und Umwelteinwirkungen, Determination und freiem Willen, Bewährung und Versagen in Versuchungen aller Art“3, aufgrund seiner idealistisch geprägten Lebensanschauung musste Bosshart jedoch viele theoretische Grundsätze der Naturalisten ablehnen und blieb in der Anknüpfung an jene Tendenzen durchaus inkonsequent4, „er versinkt nicht in der materialistischen Weltanschauung dieses Zeitalters, sondern erhebt sich darüber zu einem freien Idealismus.“5 Als Romanist ließ sich der Autor jedoch ohne Zweifel von seinen großen französischen Zeitgenossen wie Flaubert und Maupassant inspirieren.6 Anstelle der von den Naturalisten bevorzugten wirklichkeitsgetreuen, mimetischen Darstellung glaubte Bosshart jedoch, den Sinn seines Schaffens in subjektiver Textgestaltung, „in der freien Wahrheit des dichterischen Erlebens und Darstellens der Wirklichkeit“7 zu erblicken. ← 51 | 52 →

Vielmehr als mit den Naturalisten...

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