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Der Umgang mit Geschichte im historischen Roman der Gegenwart

Am Beispiel von Uwe Timms «Halbschatten», Daniel Kehlmanns «Vermessung der Welt» und Christian Krachts «Imperium»

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Max Doll

Ausgehend vom anhaltenden Vorwurf, der historische Roman betreibe Geschichtsklitterei, kann dieses Buch zeigen, dass das Genre in der Gegenwart sogar in seinen postmodernen Ausprägungen produktiv mit Geschichte verfährt. Zu diesem Zweck interpretiert der Autor nicht nur drei ausgewählte Werke, sondern erschließt sie im genauen Abgleich mit ihren Quellen und erörtert, dass historische Romane Geschichte nicht nur zu Unterhaltungszwecken nutzen. Vielmehr erfolgt eine sinnstiftende Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Material; in Veränderungen und Verfremdungen lässt sich eine klare, nicht minder korrekte Aussageabsicht erkennen, die lediglich auf eine unmittelbare Reproduktion von Quellen verzichtet.

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2.1 Postmoderne

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2.1 Postmoderne

Was oder auch wann Postmoderne ist, lässt sich auch nach einer Jahrzehnte umspannenden Diskussion nicht exakt feststellen; der Begriff bleibt in beiden Dimensionen unscharf. In temporaler Sinnrichtung verstanden verhindern, wie bei jeder epochalen Strukturierung, unterschiedliche geistesgeschichtliche Kategorien eine präzise Abgrenzung der Postmoderne, die etwa in Geschichts- und Literaturwissenschaft variierende zeitliche Abschnitte definieren kann. In seiner inhaltlichen Dimension ist bereits der Begriff immanent widersprüchlich, da die Moderne gemeinhin mit der Gegenwart assoziiert wird. Bei der Postmoderne müsste es sich semantisch betrachtet daher um eine Nach-Gegenwart oder schlicht die Zukunft handeln. Zumindest gilt, wie Reese-Schäfer etwas vage formuliert, dass „die“ Postmoderne etwas im Entstehen begriffenes bezeichnet (Reese-Schäfer 1995: 43). Ohne weiteres und ohne einen Blick auf die Entstehung des Begriffes lässt sich die Bezeichnung jedoch nicht sinnvoll entschlüsseln. Die gegenwärtige Sinnrichtung und Prägung der Postmoderne hat Jean-Francois Lyotard umrissen, der den Begriff zur Verdeutlichung der „Debatte über die←21 | 22→ Erkenntnis“ genutzt hat (Lyotard 1989: 67).1 Lyotards Ausführungen sind für ein tieferes Verständnis „der“ Postmoderne daher elementar. Wenn sich schon der Begriff einer exakten Definition entzieht, dann lässt sich zumindest die dahinterstehende Idee mit ausreichender Präzision bestimmen, um eine Grundlage für die wissenschaftstheoretischen Debatten in der Geschichtswissenschaft sowie die Klassifikation des postmodernen, historischen Romans zu schaffen.

Zurückführen lässt sich das Konzept der Postmoderne in seinen verschiedenen Ausprägungen auf die Grundüberlegungen der modernen Sprachtheorie von...

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