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Der Umgang mit Geschichte im historischen Roman der Gegenwart

Am Beispiel von Uwe Timms «Halbschatten», Daniel Kehlmanns «Vermessung der Welt» und Christian Krachts «Imperium»

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Max Doll

Ausgehend vom anhaltenden Vorwurf, der historische Roman betreibe Geschichtsklitterei, kann dieses Buch zeigen, dass das Genre in der Gegenwart sogar in seinen postmodernen Ausprägungen produktiv mit Geschichte verfährt. Zu diesem Zweck interpretiert der Autor nicht nur drei ausgewählte Werke, sondern erschließt sie im genauen Abgleich mit ihren Quellen und erörtert, dass historische Romane Geschichte nicht nur zu Unterhaltungszwecken nutzen. Vielmehr erfolgt eine sinnstiftende Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Material; in Veränderungen und Verfremdungen lässt sich eine klare, nicht minder korrekte Aussageabsicht erkennen, die lediglich auf eine unmittelbare Reproduktion von Quellen verzichtet.

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2.4 Timm, Kehlmann, Kracht und der historische Roman

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2.4 Timm, Kehlmann, Kracht und der historische Roman

Obwohl alle drei untersuchten Werke klar dem Gerne des historischen Romans zuzuordnen sind,1 wird der Gattung selbst in der gegenwärtigen Forschung nur in einem Fall ein gesondertes Interesse geschenkt. Halbschatten ist trotz seines Alters selten als Einzeltext und nur in geringem Maße in wissenschaftlichen Beiträgen rezipiert worden.2 Primär wird der Roman im Kontext der Poetik Timms oder den anderen Romanen der Berliner Trilogie, Johannisnacht und Rot, analysiert.3 Weil sich die historische Dimension des historischen Romans bei einer Analyse unmöglich vollständig ignorieren lässt, ist das Werk in bereits hinsichtlich einzelner Merkmale seiner Gattung zumindest in Ansätzen erschlossen worden. Germer betrachtet den Roman etwa in einer umfangreichen Monographie, die das gesamte Werk Timms als Reflexion des (literarischen) Erzählens und als Auseinandersetzung mit Mythen begreift. Die Romane werden aus diesem Blickwinkel in kulturellen Erinnerungs- sowie Sinnbildungsprozessen eingeordnet, wobei allerdings die Wirkungsdimension im Vordergrund steht. Halbschatten wird in diesem Kontext auch hinsichtlich des gewählten Handlungsortes als Erinnerungsort deutscher Geschichte sowie in Ansätzen in seiner metahistorischen und metahistoriographischen Dimension betrachtet (vgl. Germer 2012).4 Dennoch bleibt der Beitrag der einzige, der explizit Bezug auf einen Ausschnitt gegenwärtiger Geschichtstheorie nimmt. Einzelaspekte, darunter das durch den Roman vermittelte←67 | 68→ Geschichtsbild, werden kursorisch bei Schöll umrissen (vgl. Schöll 2012b), die die Poetik Timms auch im Abgleich mit Johannisnacht in den Blick rückt,5 aber keinen Bezug zur Theorie der Historiographie, Postmoderne...

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