Show Less
Restricted access

Der Umgang mit Geschichte im historischen Roman der Gegenwart

Am Beispiel von Uwe Timms «Halbschatten», Daniel Kehlmanns «Vermessung der Welt» und Christian Krachts «Imperium»

Series:

Max Doll

Ausgehend vom anhaltenden Vorwurf, der historische Roman betreibe Geschichtsklitterei, kann dieses Buch zeigen, dass das Genre in der Gegenwart sogar in seinen postmodernen Ausprägungen produktiv mit Geschichte verfährt. Zu diesem Zweck interpretiert der Autor nicht nur drei ausgewählte Werke, sondern erschließt sie im genauen Abgleich mit ihren Quellen und erörtert, dass historische Romane Geschichte nicht nur zu Unterhaltungszwecken nutzen. Vielmehr erfolgt eine sinnstiftende Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Material; in Veränderungen und Verfremdungen lässt sich eine klare, nicht minder korrekte Aussageabsicht erkennen, die lediglich auf eine unmittelbare Reproduktion von Quellen verzichtet.

Show Summary Details
Restricted access

3.7 Umgang mit Geschichte

Extract

3.7 Umgang mit Geschichte

Halbschatten ist von den drei untersuchten Werken dasjenige, das sich am dichtesten an Quellen und historiographischem Vorgehen orientiert. Grundlage der Figuren und Positionen des Romans sind, wie bereits die entworfene Deutungsperspektive nahelegt, sowohl historische Quellen als auch Beiträge der gegenwärtigen Forschung. Eine Auswahl der genutzten Quellen verrät das Nachwort, dessen Selektivität mit dem literarischen Charakter der Textgattung begründet wird.1 Neben der Angabe von Primär- und Sekundärliteratur finden sich dort Dankesworte an das Politische Archiv des Auswärtigen Amtes sowie an das Archiv des Deutschen Museums in München, in dessen Besitz sich der Nachlass Etzdorfs befindet.

Der Darstellung Marga von Etzdorfs liegen vor allem zeitgenössische Quellen zugrunde, die durch ihre Beschaffenheit ein selektives Bild zeichnen und damit die Schilderung der Person geprägt haben. Insbesondere gewährt das im Rahmen der Analyse eingesehene Quellenkorpus, das in der Nachschrift des Romans in wesentlichen Teilen aufgeführt wird, nur geringfügig Aufschluss über die Person hinter der öffentlichen Figur der Pilotin. Die Motivation Etzdorfs oder eine persönliche Perspektive lassen sich daraus schwerlich ableiten. Der umfangreiche←158 | 159→ Nachlass, der im Archiv des Deutschen Museums aufbewahrt wird,2 enthält neben Bildern vor allem Einladungen, Visitenkarten, und, quantitativ dominierend, in teils mehrfacher Ausfertigung zeitgenössische Zeitungsberichte. Nur wenige Artikel, überwiegend für die liberaldemokratische Tageszeitung Tempo, sind von Etzdorf verfasst worden.3 Private Korrespondenz abseits förmlicher oder geschäftlicher Briefwechsel enthält der Nachlass nur vereinzelt,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.