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Der Umgang mit Geschichte im historischen Roman der Gegenwart

Am Beispiel von Uwe Timms «Halbschatten», Daniel Kehlmanns «Vermessung der Welt» und Christian Krachts «Imperium»

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Max Doll

Ausgehend vom anhaltenden Vorwurf, der historische Roman betreibe Geschichtsklitterei, kann dieses Buch zeigen, dass das Genre in der Gegenwart sogar in seinen postmodernen Ausprägungen produktiv mit Geschichte verfährt. Zu diesem Zweck interpretiert der Autor nicht nur drei ausgewählte Werke, sondern erschließt sie im genauen Abgleich mit ihren Quellen und erörtert, dass historische Romane Geschichte nicht nur zu Unterhaltungszwecken nutzen. Vielmehr erfolgt eine sinnstiftende Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Material; in Veränderungen und Verfremdungen lässt sich eine klare, nicht minder korrekte Aussageabsicht erkennen, die lediglich auf eine unmittelbare Reproduktion von Quellen verzichtet.

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5.5 Umgang mit Geschichte

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5.5 Umgang mit Geschichte

Im Umgang mit Quellen ist Imperium der einzige untersuchte Roman, der seine Aussagen nicht nur unter Vorbehalt stellt, sondern die inhaltlich geäußerten Bedenken gegenüber der Zuverlässigkeit von Text, Wort und der erzählten Geschichte in konsequenter Weise zur Grundlage der Quellenarbeit macht. Erste Ansätze, die jedoch vor allem auf die Faktizität, verstanden als unmittelbare Korrektheit im Sinne unveränderter Abbildung von Tatsachen, zielen, liefern die Beiträge von Birgfeld, Gerlach und in Teilen Schwarz (Birgfeld 2012, Gerlach 2013, Schwarz 2014), beschränken sich jedoch auf allgemeine Aspekte ohne sich explizit mit der Quellenbasis des Romans auseinanderzusetzen. Welche Ausgangsbasis Imperium zugrunde liegt, ist aus dem Text heraus nicht ersichtlich. Das Dankeswort hebt lediglich die besondere Bedeutung von fünf Personen für das Entstehen des Werkes hervor.1 Relevant sind unter den Genannten Herman←445 | 446→ Hiery, dessen Sammelband Die Deutsche Südsee (Hiery 2001) die bislang einzige umfassende Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialreich im Pazifik ist, sowie Sven Mönter, der sich in einer ersten und bislang einzigen umfangreichen Forschungsarbeit mit August Engelhardt und seinem Sonnenorden auseinandergesetzt hat (Mönter 2008). Die Forschungslage spiegelt damit das historische Interesse wider, das zunächst den afrikanischen Besitzungen des Kaiserreiches gilt. Eine ernsthafte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den kolonialen Erwerbungen in der Südsee erfolgt erst seit etwa 20 Jahren, was auch für die Person des August Engelhardt gilt, der vereinzelt als Kuriosität, Zivilisationsaussteiger und in exemplarischer Betrachtung für sinnsuchende...

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