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Albert Camus und das Kreuz

Raphael Maercker

Das Kreuz ist und bleibt ein Skandal. Nicht nur in öffentlichen Gebäuden und gesellschaftlichen Debatten, sondern auch bei Theologen erregt der Anblick des Gekreuzigten immer wieder Ärgernis.

Der Schriftsteller und Philosoph Albert Camus, der zeitlebens nach dem Sinn menschlicher Existenz angesichts des Todes fragte, bringt die Zweifel am christlichen Erlösungsglauben in seinen Werken exemplarisch zum Ausdruck. Er sieht in Jesus Christus sowohl den absurden Menschen, der in seiner Not von Gott verlassen ist, als auch den Revoltierenden, der sich gegen das Böse auflehnt und sein Leben für die anderen opfert.

In Auseinandersetzung mit Camus sucht die Studie nach einer zeit- und evangeliumsgemäßen Kreuzestheologie, die weder den Skandal leugnet noch die christliche Hoffnung verschweigt.

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2. Biographischer Zugang

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2.  Biographischer Zugang

Nicht selten wird darüber gestritten, ob Albert Camus ein Philosoph oder ein Schriftsteller sei. Solche Schubladen können jedoch niemandem gerecht werden, schon gar nicht unserem Protagonisten, dessen Werk stets einen Bezug zum konkreten Leben aufweist.32 Daher ist es auch zu rechtfertigen, wenn im Folgenden versucht wird, den biographischen Zugang zu Camus so weit wie möglich anhand seiner eigenen literarischen Äußerungen zu illustrieren. So wird nicht nur der lebensweltliche Bezug seines später zu behandelnden philosophischen und theologischen Denkens erhellt, sondern auch ein mitfühlendes Verstehen ermöglicht, ohne das jeder Zugang zu einem Menschen verschlossen bleiben muss.

2.1  Das verlorene Paradies

Als Albert Camus am 4. Januar 1960 bei einem Autounfall ums Leben kam, fand sich in seinem Handgepäck ein noch unvollendetes Manuskript, das erst vierundreißig Jahre nach seinem Tod unter dem Titel Der erste Mensch veröffentlicht werden sollte. Es handelte sich um eine fragmentarische, romanhaft inszenierte Autobiographie, in der Camus sein Leben in der Rückschau betrachtet und nach seinen eigenen Ursprüngen sucht.

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