Show Less
Restricted access

Albert Camus und das Kreuz

Raphael Maercker

Das Kreuz ist und bleibt ein Skandal. Nicht nur in öffentlichen Gebäuden und gesellschaftlichen Debatten, sondern auch bei Theologen erregt der Anblick des Gekreuzigten immer wieder Ärgernis.

Der Schriftsteller und Philosoph Albert Camus, der zeitlebens nach dem Sinn menschlicher Existenz angesichts des Todes fragte, bringt die Zweifel am christlichen Erlösungsglauben in seinen Werken exemplarisch zum Ausdruck. Er sieht in Jesus Christus sowohl den absurden Menschen, der in seiner Not von Gott verlassen ist, als auch den Revoltierenden, der sich gegen das Böse auflehnt und sein Leben für die anderen opfert.

In Auseinandersetzung mit Camus sucht die Studie nach einer zeit- und evangeliumsgemäßen Kreuzestheologie, die weder den Skandal leugnet noch die christliche Hoffnung verschweigt.

Show Summary Details
Restricted access

5. Ausblick auf eine Verkündigung des Kreuzes als „virtus Dei“

Extract

← 120 | 121 →

5.  Ausblick auf eine Verkündigung des Kreuzes als „virtus Dei“

Das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit Albert Camus kann wohl kaum darin bestehen, ein abschließendes Urteil über sein Leben oder sein Werk zu fällen. Es wäre genauso unredlich, ihn für die eigene Position vereinnahmen zu wollen und ihn als gewissermaßen „anonymen Christen“ darzustellen, wie es unzureichend wäre, seine philosophischen Ansichten von einem quasi erhöhten theologischen Standpunkt aus als unberechtigt oder defizitär ausweisen zu wollen. Dies entspräche weder der Ernsthaftigkeit seines Ringens mit den existentiellen Fragen der menschlichen Existenz noch würde es der Einmaligkeit seiner Lebensgeschichte gerecht, von der her auch seine Ansichten zum christlichen Glauben eine gewisse Plausibilität und Berechtigung erhalten. Anstatt also Camus als Mittel zur Vergrößerung des eigenen theologischen Egos zu missbrauchen, soll am Ende, nachdem die Differenzen zwischen seiner und der christlichen Position an Ort und Stelle bereits ausreichend dargestellt wurden, danach gefragt werden, was die Theologie von ihm lernen kann, um das „scandalum“ des Kreuzes heute, wie es einst der Apostel Paulus tat, glaubwürdig als „virtus Dei“ zu verkündigen.

Eine christliche Verkündigung, die zum einen behauptet, wahrhaft von Gott Zeugnis zu geben, das heißt Theo-Logie zu sein, und die zum anderen für sich beansprucht, dass ihr Zeugnis nicht eine vernunftwidrige, sondern eine im höchsten Maße sinnvolle Rede von Gott, also Theo-Logie, ist, muss sich zunächst der Wirklichkeit stellen,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.