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Nazi-Täterinnen in der deutschen Literatur

Die Herausforderung des Bösen

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Simonetta Sanna

Die Studie verbindet mit der Thematisierung des NS-Vernichtungsapparates und Frauen, die darin als Protagonistinnen wirkten, ein doppeltes Skandalon. Die Autorin untersucht die Werke von Stephan Hermlin, Hans Lebert, Bernhard Schlink, Lukas Hartmann und Helga Schneider. Diese ziehen schuldige Frauen nachträglich zur Rechenschaft, lassen ihnen gegenüber jedoch einen nicht-ausgrenzenden Sinn der Gerechtigkeit gelten. Aus der Erzählperspektive regt gerade die Unmöglichkeit der Vergebung das Interesse an, die Verschränkungen von Gut und Böse, Opfer und Täter wahrzunehmen. Das erfordert umfassende kognitive Fähigkeiten auch beim Leser. Das Buch fasst abschließend den Beitrag des Romans zur Aufarbeitung der Vergangenheit zusammen. Die Autorin geht hierbei der Frage nach, inwieweit die Erfahrung des Negativen zur Selbsterkenntnis des Menschen und damit auch zur Hinwendung zum anderen Menschen beiträgt.

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III. Stephan Hermlin, Die Kommandeuse: an den ursächlichsten Quellen von Gewalt

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Die Kommandeuse von Stephan Hermlin (1915–1997) ist eine in der Zeit des Kalten Krieges geschriebene Erzählung. Aus verschiedenen Gründen im Osten wie im Westen kritisiert, handelt es sich um ein noch immer missverstandenes Werk, das somit einige Überraschungen bereithält. Es sind zweifellos nicht die offenkundigen ideologischen Absichten hinsichtlich des Aufstands vom 17. Juni 1953, die zudem nur bei einer kursorischen Lektüre zu überwiegen scheinen, welche den Autor veranlassten, auch nach der Wende zu seiner Erzählung zu stehen – zumal er sich von diesen Absichten schon bald distanzierte. Meine Vermutung ist vielmehr, dass er sich auch nachträglich noch immer zu seinen ästhetischen und ethischen Intentionen bekannte, die sich ganz zentral auf das Thema der Gewalt richten. Doch davon später.

Im Vergleich zu Hans Lebert in Der Feuerkreis ist Stephan Hermlin ein Schriftsteller der sogenannten ersten Generation. Im Jahr 1933 wird er volljährig, doch ist er etwa zehn Jahre jünger als die sogenannte „skeptische Generation“174 von Jürgen Habermas und Günter Grass, die das kritische Gewissen des Nachkriegs-Deutschlands verkörpern wird. Seine Parteinahme erfolgt schon als Jugendlicher. Jüdischer Herkunft, tritt Hermlin der kommunistischen Jugendorganisation bei. 1936 geht er in die Emigration nach Palästina, Frankreich und in die Schweiz. Im Jahre 1947 zieht er nach Ost-Berlin, wo er bald einer der einflussreichsten Schriftsteller der DDR wird. Zunächst persönlicher Freund Erich Honeckers, fördert er ab 1962 jedoch die Autoren der kritischen neuen ‚Lyrik-Welle‘ – darunter...

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