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Nazi-Täterinnen in der deutschen Literatur

Die Herausforderung des Bösen

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Simonetta Sanna

Die Studie verbindet mit der Thematisierung des NS-Vernichtungsapparates und Frauen, die darin als Protagonistinnen wirkten, ein doppeltes Skandalon. Die Autorin untersucht die Werke von Stephan Hermlin, Hans Lebert, Bernhard Schlink, Lukas Hartmann und Helga Schneider. Diese ziehen schuldige Frauen nachträglich zur Rechenschaft, lassen ihnen gegenüber jedoch einen nicht-ausgrenzenden Sinn der Gerechtigkeit gelten. Aus der Erzählperspektive regt gerade die Unmöglichkeit der Vergebung das Interesse an, die Verschränkungen von Gut und Böse, Opfer und Täter wahrzunehmen. Das erfordert umfassende kognitive Fähigkeiten auch beim Leser. Das Buch fasst abschließend den Beitrag des Romans zur Aufarbeitung der Vergangenheit zusammen. Die Autorin geht hierbei der Frage nach, inwieweit die Erfahrung des Negativen zur Selbsterkenntnis des Menschen und damit auch zur Hinwendung zum anderen Menschen beiträgt.

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Vorwort

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Es gibt Tatsachen, die nicht gemildert werden können oder die man nicht „wiedergutmachen“ kann, weil sie schlechthin Folgen des Bösen sind. Unter diesen treten in der jüngeren Geschichte vor allem die Verbrechen des Nationalsozialismus gegen die Menschlichkeit mit deren zahllosen einzelnen Opfern hervor. Obwohl die Einbuße an Menschlichkeit und die Überschreitung aller moralischen Grenzen nicht nur Deutschland betreffen, sind sie doch zuallererst ein Kainsmal in der deutschen Vergangenheit. So verwundert es nicht, dass gerade die Deutschen sich mit der Vergangenheit auseinandergesetzt haben, fast stellvertretend für alle anderen Nationen. Besonders seit 1968 hat sich Deutschland intensiv um die Aufarbeitung der „braunen Jahre“ bemüht, aber auch Trauerarbeit geleistet. Auf diese Weise hat es noch einmal den Nachweis erbracht, dass nur die Rekonstruktion jener historischen Epoche, jener traumatischen Erfahrung, die die Generation der Großeltern, der Eltern und Kinder betroffen hat, es ermöglicht, sich der Gegenwart mit wachen Sinnen zu öffnen, statt gleichsam im ‚Bauch eines Wahlfisches‘ weiterzuleben, als wäre man von der Vergangenheit verschluckt.

Die folgenden Seiten werden die Erinnerungen an die zwölf Jahre des Hitler-Regimes, einer hoffnungslos bösen historischen Periode, aus zweifacher Sicht aufgreifen. Es geht um die literarische Darstellung von Frauen in der Rolle aktiver Nazi-Täterinnen in Romanen und Erzählungen von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart. Unser Diskurs verbindet somit zwei Wirklichkeiten, kausal in dem unheilvollen gesellschaftlichen Irrweg verknüpft: auf der einen Seite der Nationalsozialismus in seiner Mischung aus Barbarei und instrumenteller Rationalit...

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