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Turns und kein Ende?

Aktuelle Tendenzen in Germanistik und Komparatistik

Series:

Elke Sturm-Trigonakis, Olga Laskaridou, Evi Petropoulou and Katerina Karakassi

Der Band setzt sich kritisch mit «Cultural Turns» allgemein auseinander und lotet deren Anwendungsmöglichkeiten vom «post-imperial», über den «ecocritical» bis hin zum «economical turn» aus. Dabei zeigt sich das innovative Potenzial der Turns, aber auch die Notwendigkeit, sie epistemisch in den Einzeldisziplinen zu verankern. Die Symbiose der «Cultural Turns» mit Literaturwissenschaft und Komparatistik scheint etabliert zu sein. Transdisziplinarität und Kombinationen wie «Postkoloniale Germanistik» sind selbstverständlich, und die Komparatistik untersucht Diachronie und Synchronie von jeglichen Wissenssystemen. Die Beiträger nehmen sich den Umstand, dass sich Einzelphilologien und Komparatistik unter dem Vorwurf der Orientierungslosigkeit dennoch in einer Dauerkrise befinden, zum Anlass für eine Bestandsaufnahme.

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Haiku und Waka als Polaroid. Nachleben der japanischen dichterischen Kurzformen bei Delius, Grünbein und Kling (Hiroshi Yamamoto)

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Hiroshi Yamamoto1

Haiku und Waka als Polaroid. Nachleben der japanischen dichterischen Kurzformen bei Delius, Grünbein und Kling

Abstract: Early adaptations of Japanese short-form poetry have already put their focus on an aesthetic concept which tried to capture vibrant city life with methods of film cutting. Contemporary poets refine this approach by using the metaphor of Polaroid, in order to figure out the short-form’s documentary, aesthetical and historiographical possibilities.2

Im Zeichen des sogenannten cultural turn wird Übersetzung, so Bachmann-Medick, „jenseits der (Äquivalenz-)Beziehung zwischen bereits bestehenden Positionen oder Sphären [etwa zwischen Japan und Deutschland – H.Y.] ausdrücklich als ein Medium konzipiert, durch das sich verschiedene Sphären überhaupt erst herausbilden“ (Bachmann-Medick, 254). Statt des traditionellen „Brückenbauen“-Modells, das eine originalgetreue Reproduktion beansprucht, sollten nun vielmehr „Brüchigkeiten und Differenzen in der Übersetzungsdynamik“ (Bachmann-Medick, 255) in den Vordergrund treten. Für dieses Konzept der Übersetzung als „rewriting“ (Lefevere/Bassnett, 9), nämlich als „Gegenbewegung zu einem Denken in binären Strukturen und in essenzialisierenden Identitätsvorstellungen“ (Bachmann-Medick, 255), bilden einige Versuche der deutschen Gegenwartslyrik interessante Beispiele, indem sie japanische Kurzgedichte, nämlich das 31silbige Waka und das 17silbige Haiku, adaptieren und transformieren.

In dichterischen Adaptationen war lange Zeit ein exotischer Japonismus vorherrschend. Oft verherrlichte man die angebliche Schlichtheit und Harmonie der japanischen Lebensart, vorwiegend jedoch, um das Fremde als Projektionsfläche für das Eigene zu instrumentalisieren. In den 1960er Jahren hat Manfred Hausmann, ein konservativer Dichter, seine „going native“-Haltung sogar...

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