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Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

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Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

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1. Conrad Beyer

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‘O senke dich nieder, du holder Völkerfriede, auf Fürsten und Völker! Ergieße dich versöhnend auf alle Herzen in Hütte und Palast!’ (Conrad Beyer 1900)1

Der Schriftsteller Conrad Beyer (1834–1906) aus Pommersfelden bei Bamberg (Königreich Bayern) studierte Naturwissenschaften, Philosophie und Literatur und erwarb mit einer Arbeit Ueber die anatomischen und physiologischen Verhältnisse der vegetabilischen Zelle den Doktortitel in Leipzig. Dort wohnte er als Student im Hause des bekannten Naturforschers und linksdemokratischen Politikers Adolf Roßmäßler (1806–1867),2 seines – nach eigenen Angaben – “väterlichen Freundes und Berathers”.3 Roßmäßler hatte an der Revolution von 1848 teilgenommen und geriet auch später aus politischen Gründen wiederholt in Konflikt mit der sächsischen Justiz. Durch die Vermittlung seines Bruders Karl kam Beyer auch in Kontakt mit dem Philosophen, Religionskritiker und Anthropologen Ludwig Feuerbach.4 Schon in seiner Studienzeit fasste Beyer Interesse an der Reformpädagogik, auch wenn sich der Plan, ein internationales Bildungsinstitut in Coburg zu eröffnen, nicht verwirklichen ließ. Im Vorwort zur dritten Auflage seiner erstmals 1864 erschienenen Schrift Erziehung zur Vernunft formulierte er sein pädagogisches Ideal:

Seit Basedow, Pestalozzi, Fröbel usw. hat man den Weg mechanischer Übertragung von Kenntnissen in dogmatischer Form und die forcirte Gedächtnißcultur verlassen, indem man den Menschen als selbstthätiges, vom Sinnlichen zum Geistigen aufstrebendes Wesen auffassen lernte und durch naturgemäße Entwicklung seiner Geisteskräfte den allseitig und harmonisch entwickelten, gesund...

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