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Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

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Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

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2. Anna B. Eckstein

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Sämtliche vertragschließenden Staaten verpflichten sich wechselseitig: alle zwischenstaatlichen Steitigkeiten […] unter keinen Umständen durch Krieg, Boykott, oder andere Vergewaltigungsmittel zu entscheiden, sondern einem zwischenstaatlichen Schiedsgerichte […] zu bindender Schlichtung zu überweisen. (Anna B. Eckstein 1907/19)1

Anna B. Eckstein (1868–1947), geboren in Coburg (Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha), stammte aus ärmlichen Verhältnissen.2 Als 16-Jährige wanderte sie in die USA aus, wo sie sich in den ersten Jahren als Kindermädchen und Privatlehrerin durchschlug.3 In New York und Boston schloss sie sich unitaristischen christlichen Gemeinden an und kam in Kontakt mit der Religionsgemeinschaft der Quäker, die davon überzeugt waren, “daß jeder Krieg ein Unrecht ist”,4 und den Kriegsdienst verweigerten. Die religiöse Gesellschaft der Freunde bildete eine einflussreiche Strömung in der amerikanischen Friedensbewegung.5 Nach einer Lehrerausbildung erhielt Anna B. Eckstein eine Anstellung an der Modern School of Languages and Literature in Boston, deren Leitung sie später übernahm. ← 79 | 80 →

Das Leben in den USA, sehr viel freier und demokratischer als in Deutschland, prägte Eckstein. Aus christlicher Überzeugung lehnte sie Gewalt ab. Doch erst die Dreißigjährige wandelte sich zu einer aktiven Pazifistin. Im spanisch-amerikanischen Krieg von 1898 nahm sie lebhaften Anteil an dem Schicksal spanischer Kriegsgefangener,6 die unweit ihres Ferienorts Kittery Point in Maine interniert worden waren. Zur selben Zeit las sie Bertha v. Suttners Antikriegsroman Die Waffen nieder!, der sie stark beeindruckte. “So in meinem tiefsten Inneren erschüttert, wie ich eben bin, war...

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