Show Less
Restricted access

Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

Series:

Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

Show Summary Details
Restricted access

8. Martin Rade

Extract



Wüßte man im Reich, wie in Nordschleswig regiert, wie in Nordschleswig Krieg geführt wird, man würde längst sich ganz anders um diese Dinge gekümmert haben. Sorgen wir, daß man es erfährt. (Martin Rade 1910)1

Martin Rade (1857–1940), ein Pfarrerssohn aus Rennersdorf in der Oberlausitz (Königreich Sachsen), hatte in Leipzig Theologie studiert und im Jahre 1886 die in liberal-christlichen Kreisen viel gelesene Wochenschrift Die Christliche Welt gegründet.2 Im Jahre 1904 wurde er zum außerordentlichen Professor der Theologie in Marburg ernannt. Durch den Beitritt zum Nationalsozialen Verein seines Schwagers Friedrich Naumann kam er in Kontakt mit dem Linksliberalismus, der versuchte, die Ideale der ’48er Revolution fortzuführen. Doch erst in Verbindung mit dem Reichstagswahlkampf von 1907, in dem er sich schützend vor den linksliberalen Kandidaten Hellmut v. Gerlach stellte, trat Rade aktiv in die Politik ein und bekleidete bis 1929 führende Positionen in der Freisinnigen Vereinigung (FVg) (seit 1904), in der Fortschrittlichen Volkspartei (FVP) (seit 1910) und nach 1918 in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) auf Bezirks- und Landesebene.

Unter dem Einfluss seines Marburger Kollegen und Freundes, dem Völkerrechtler → Walther Schücking, mit dem er sich politisch eng verbunden fühlte, wandte sich Rade etwa zur selben Zeit auch dem Pazifismus zu und trat 1908 in die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG) ein.3 Schon etliche Jahre zuvor hatte er sich zum Frieden als dem höchsten Gut der Menschheit bekannt und zum Handeln aufgefordert:...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.