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Die deutschen Friedensnobelpreiskandidaten im Kaiserreich 1901–1918

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Thomas Sirges

Der Friedensnobelpreis ist weltweit der renommierteste Friedenspreis. Bislang hat sich die Forschung auf die Preisträger konzentriert und den Konkurrenten nur bei strittigen Entscheidungen größere Beachtung geschenkt. Neben den Konkurrenten verzeichnen die Bewerberlisten eine beachtliche Zahl von Außenseitern, deren Wirken kaum vermuten lässt, dass sie einmal für den Friedensnobelpreis nominiert waren. Beide Gruppen – Konkurrenten und Außenseiter – müssen als ein bislang unerforschter Teil der Geschichte des Friedensnobelpreises gelten. Das Buch stellt die deutschen Kandidaten von 1901 bis 1918 vor, beleuchtet die Hintergründe und Begleitumstände ihrer Kandidatur und sucht nach einer Antwort auf die Frage, warum kein Deutscher im Kaiserreich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist.

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15. Philipp Zorn

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Die moderne Friedensbewegung lediglich mit einem spöttischen Achselzucken abzutun, wie es vielleicht noch heute in Deutschland Mode ist, geht nicht an, ihre Ideen sind in der ganzen Welt verbreitet und bilden einen nicht unbedeutenden Faktor im heutigen Völkerleben, müssen also sorgsam beachtet werden, zumal sie an den einzelnen Stellen unzweifelhaft schon direkten Einfluß auf die praktische Politik gewonnen haben, und ihr mittelbarer, indirekter Einfluß gar nicht in Abrede gestellt werden kann. (Philipp Zorn 1906)1

Der konservative protestantische Kirchen-, Staats- und Völkerrechtler Philipp Zorn (1850–1928), gebürtig aus Bayreuth (Königreich Bayern), war ein Monarchist und Bismarck-Verehrer.2 Er gehörte zum Kreis um → Kaiser Wilhelm II. und wurde 1905 in das Preußische Herrenhaus aufgenommen. Den Parlamentarismus innerlich ablehnend, stand er der Deutschkonservativen Partei (DKP) nahe, distanzierte sich aber öffentlich von dem Antisemitismus des Tivoli-Programms von 1892.3 Auch rang er sich in seinen Bonner Universitätsjahren (1900–1914) zu einer mehr toleranten Haltung gegenüber dem Katholizismus durch, als er der negativen Folgen der preußischen Diskriminierungspolitik durch eigene Anschauung gewahr wurde: “Schließlich wurde es Z[orn] sogar ‘zur Herzenssache’, sich für den Frieden zwischen den großen christlichen Konfessionen einzusetzen.”4

Der politisch wohlgelittene Jurist Zorn nahm in offizieller Mission an den beiden Haager Friedenskonferenzen von 1899 und 1907 teil, die auf Einladung ← 215 | 216 → des russischen Zaren Nikolaus II. zustande gekommen waren. (→ Anhang 15, S. 309–312) Auf der ersten Konferenz, an der sich 26...

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