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Matthias Claudius als Literaturkritiker

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Geeske Göhler-Marks

Die Autorin befasst sich mit dem literaturkritischen Werk von Matthias Claudius im Rahmen des Rezensionswesens im 18. Jahrhundert. Claudius verfasste die meisten seiner Kritiken als Redakteur der Zeitung des «Wandsbecker Bothen» und nahm die Besprechungen größtenteils später in seine gesammelten Werke «Asmus omnia sua secum portans» auf. Die Untersuchung markiert die besondere Form der Poetisierung, die die Rezensionen im Werk von Claudius erfahren. Als kleine Kunstwerke stehen sie in den Asmus-Bänden gleichberechtigt neben den Gedichten und sonstigen Prosatexten. Auf der Grundlage der inhaltlichen und stilistischen Analyse der einzelnen Besprechungen fragt die Autorin, welche Position Claudius innerhalb der literarhistorischen, theologischen und philosophischen Diskurse seiner Zeit eingenommen hatte.

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III. Das Wesen des Menschen als zentrales philosophisches Problem

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1. Der anthropologische Dualismus

Was ist der Mensch? Unablässig setzt sich auch Claudius mit der uralten Frage auseinander. Zwischen Verstand und Gefühl nimmt er stets eine Kluft wahr und beklagt das Unterworfensein der Ratio unter die Leidenschaften. Der anthropologische Dualismus von den sich widerstreitenden Kräften in der Natur des Menschen erscheint durch die wiederholte Thematisierung in seinen Werken nahezu programmatisch. Auch Görisch konstatiert, dass die zwei Naturen in Claudius’ Menschenbild mit den Jahren an Intensität gewännen und sich zu einer Art Topos verfestigten.453

Bereits in einer seiner ersten Rezensionen problematisiert Claudius das Verhältnis von Verstand und Herz. Zwei Jahre nach der Premiere von Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“ wird die eigenwillige Besprechung „Korrespondenz zwischen Fritz, seinem Vater und seiner Tante“ in den drei Ausgaben der „Hamburgischen Adreß-Comtoir-Nachrichten“ vom 11.11.,18.11. und 7.12.1769 veröffentlicht. Aus der Rezension geht hervor, dass sich Claudius auf eine Aufführung des Stückes durch die Ackermannsche Theatertruppe vom 8. November 1769 bezieht. Mit der gewählten Form des fingierten Briefes und der damit zusammenhängenden fiktiven Verfasserschaft steht Claudius ganz in der Tradition der „Moralischen Wochenschriften“, die sich besonders in Hamburg einer großen Beliebtheit erfreuten. Miteinander im Dialog stehen der naive Jüngling Fritz, sein gutherziger Vater sowie seine argwöhnische Tante. Die Korrespondenz wird von einem auktorialen Erzähler, der nicht mit Claudius zu verwechseln ist, eingeführt und begleitet.

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