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Matthias Claudius als Literaturkritiker

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Geeske Göhler-Marks

Die Autorin befasst sich mit dem literaturkritischen Werk von Matthias Claudius im Rahmen des Rezensionswesens im 18. Jahrhundert. Claudius verfasste die meisten seiner Kritiken als Redakteur der Zeitung des «Wandsbecker Bothen» und nahm die Besprechungen größtenteils später in seine gesammelten Werke «Asmus omnia sua secum portans» auf. Die Untersuchung markiert die besondere Form der Poetisierung, die die Rezensionen im Werk von Claudius erfahren. Als kleine Kunstwerke stehen sie in den Asmus-Bänden gleichberechtigt neben den Gedichten und sonstigen Prosatexten. Auf der Grundlage der inhaltlichen und stilistischen Analyse der einzelnen Besprechungen fragt die Autorin, welche Position Claudius innerhalb der literarhistorischen, theologischen und philosophischen Diskurse seiner Zeit eingenommen hatte.

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IV. Rezensionen zeitgenössischer Dichtung

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1. Die Rezension von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“

Bezeichnenderweise ist in den „Sämtlichen Werken“ der Besprechung von Wielands „Diogenes von Sinope“ die Rezension von Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ vorangestellt.596 An deren Ende findet sich der Stern; er ist Zeichen dafür, dass der Beitrag in der „Mundart“ verfasst ist und es sich nicht um einen „gelehrten Artikel“ handelt. Als solcher kann die Rezension auch sicherlich nicht bezeichnet werden. Nahezu beiläufig wirft Asmus im ersten Satz die brisante Frage nach der literarischen Gattung des Werks auf, um sogleich deutlich zu machen, dass für den Rezensenten nicht der Kunstcharakter des Romans interessant ist,597 sondern, dass er vielmehr die erbaulich-nützliche Wirkung im Sinn habe: „Weiß nicht ob ’s ’n Geschicht’ oder ’n Gedicht ist; aber ganz natürlich geht’s her, und weiß einem die Tränen recht aus ’m Kopf herauszuholen.“598 Asmus beginnt die Wirkung des Romans nun vom ersten, unmittelbaren Eindruck her zu kommentieren. Anstatt sachlich den Inhalt vorzustellen, plaudert er von seinen Empfindungen beim Lesen. Die Distanz von Rezensent und Werk wird aufgehoben, indem die eigenen Erfahrungen beiläufig mit einbezogen werden: „Ja, die Lieb ist ’n eigen Ding; läßt sich’s nicht mit ihr spielen wie mit einem Vogel. Ich kenne sie, wie sie durch Leib und Leben geht, und in jeder Ader zuckt und ← 175 | 176 → stört, und mit’m Kopf und der Vernunft kurzweilt.“599 Asmus kann die Gefühle Werthers nachempfinden. Inhalt,...

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