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Matthias Claudius als Literaturkritiker

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Geeske Göhler-Marks

Die Autorin befasst sich mit dem literaturkritischen Werk von Matthias Claudius im Rahmen des Rezensionswesens im 18. Jahrhundert. Claudius verfasste die meisten seiner Kritiken als Redakteur der Zeitung des «Wandsbecker Bothen» und nahm die Besprechungen größtenteils später in seine gesammelten Werke «Asmus omnia sua secum portans» auf. Die Untersuchung markiert die besondere Form der Poetisierung, die die Rezensionen im Werk von Claudius erfahren. Als kleine Kunstwerke stehen sie in den Asmus-Bänden gleichberechtigt neben den Gedichten und sonstigen Prosatexten. Auf der Grundlage der inhaltlichen und stilistischen Analyse der einzelnen Besprechungen fragt die Autorin, welche Position Claudius innerhalb der literarhistorischen, theologischen und philosophischen Diskurse seiner Zeit eingenommen hatte.

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Vorwort

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„Die guten Leutchen wissen nicht, was es einem für Zeit und Mühe gekostet, um lesen zu lernen. Ich habe achtzig Jahre dazu gebraucht und kann noch jetzt nicht sagen, daß ich am Ziel wäre.“

Manch wahres Wort wird gerade im Scherz gesprochen, und so sei diese Arbeit über Matthias Claudius mit einem Zitat Goethes eröffnet, auch wenn sich die beiden Dichter zu Lebzeiten, sieht man von den Jugendjahren einmal ab, doch weitgehend fremd geblieben waren. Der Wandsbecker Bote fordert seinen Lesern einige Anstrengung ab. Das war zu Claudius’ Zeiten nicht viel anders als heute. Zwar ist das Gesamtwerk hinsichtlich des Umfangs überschaubar, dafür verlangt es aber durch die Anspielungen – Claudius war ein überaus fleißiger Leser von Texten in zahlreichen alten und neuen Sprachen – auf viel seinerzeit Unbekanntes, Seltenes und heute Vergessenes von dem Leser nicht wenig Mühe. In der lustigen Schale der einfältigen Botenfigur, mit der Claudius unglücklicherweise nur allzu oft gleichgesetzt wird, steckt ein ernster Kern. Viele der Werke haben eine didaktisch-erbauliche Zielsetzung, satirische Züge sind allgegenwärtig. Die Lektüre fordert einen zum Schmunzeln, gar zum Lachen heraus: dies sind Eigenheiten, die dem Leser eine besondere Nähe zu Claudius verschaffen. Man ist bewegt von den existentiellen Fragen des Menschseins, die hier verhandelt werden, und von der ästhetischen Leichtigkeit, in der manch schwere Thematik erörtert wird. Dann rühren sich die „gewissen Silbersaiten des Herzens“ – das ist der Lohn für die Zeit...

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