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Innovation und Tradition: Der junge Borges und die Avantgarde

Literarische Entwürfe zwischen europäischer und argentinischer Moderne

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Regina Samson

Borges wurde in Europa zum Schriftsteller. Aber erst in Argentinien fand er Formen für sein Schreiben. Der Band untersucht das Entstehen seiner Gedichte und Essays der zwanziger Jahre zwischen Europa und Argentinien, Avantgarde und Tradition. Borges schreibt zwischen Imitation, Intertextualität und Kreation. Er setzt sich mit dem deutschen Expressionismus und dem spanischen Ultraísmo auseinander und diskutiert mit Schriftstellern wie Cansinos Assens, Macedonio Fernández, Güiraldes und Lugones. Er erfindet sich zunächst als criollistischer Dichter und besingt die Ränder von Buenos Aires, die «orillas». Im Dialog mit Henríquez Ureña und Reyes beginnt Borges schließlich, die Literaturen und Kulturen der Welt nach Argentinien zu holen.

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V. Ein neuer intellektueller Ort: Borges im Dialog mit Alfonso Reyes und Pedro Henríquez Ureña

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1. Die Wende des Jahrzehnts – Ende und Anfang

Am Ende der zwanziger Jahre war Borges zugleich jung und schon erfahren: „gozaba de un pequeño reconocimiento y ya no debía bucear en las páginas de revistas casi secretas para conformar un volumen de sus trabajos.“ (Vaccaro 1996: 332) Mit El idioma de los argentinos gewann er 1928 seinen ersten Literaturpreis, den Segundo Premio Municipal (vgl. Vaccaro 1996: 335). In den Jahren 1927 und 1928 veröffentlichte er in Medien konservativer intellektueller Kreise, zum Beispiel in der katholischen Zeitschrift Criterio (vgl. García 2010: 174) ebenso wie in der traditionellen Nosotros (vgl. Vaccaro 1996: 344). Dies zeigt die bereits angesprochene Unsicherheit über sein literarisches Programm auf, da von den avantgardistischen Impulsen keine Strahlkraft mehr ausging, und deutet darauf hin, dass Borges noch nicht wusste, wie er dieses „vacío de identidad“ (Louis 2014: 32) füllen konnte, welchen Diskurs und welche literarische Praxis er wählen sollte.

1929 kam mit Cuaderno San Martín sein dritter Lyrikband heraus. Dieser brachte ihm Lob, aber auch Kritik ein. Sein schärfster Kritiker, Tomás de Lara, warf ihm die Redundanz der Gedichte sowie fehlende literarische Innovation vor:

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