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Theologie als Wissenschaft

Eine Fundamentaltheologie aus phänomenologischer Leitperspektive

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Lukas Ohly

Ob Theologie eine Wissenschaft genannt werden kann, wird verschärft durch das Aufkommen neuer theologischer Studiengänge als auch durch Sparmaßnahmen an theologischen Fakultäten in Frage gestellt. Darauf reagieren die theologischen Disziplinen mit einer Suchbewegung, die ihren theologischen Charakter zunehmend außer Acht lässt oder methodisch ungesichert herstellt.

Der vorliegende Ansatz beschreibt die Verifikation theologischer Aussagen als das Aufdecken eines Nicht-Selbstverständlichen im Selbstverständlichen: Wahrheit wird erkannt, indem sie widerfährt. Da Menschen von Gott sprechen, wenn sie den Widerfahrenscharakter von Ereignissen thematisieren, wird ein Bezug zwischen Gottesoffenbarung und Verifikation wissenschaftstheoretisch rekonstruiert.

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1 Einleitung

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Der Fundamentaltheologie sind Themen zugeordnet, die ihr von keinem anderen materialen Bereich der Systematischen Theologie abgenommen wird. Ebenso wie Christologie, Pneumatologie oder Schöpfungslehre ihre eigenen Themen haben, trifft dasselbe auch von der Fundamentaltheologie zu. Sie handelt von den Bedingungen der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Gott überhaupt. Es geht ihr dabei nicht um den Wahrheitsanspruch spezieller Fragen, etwa wie Jesus Christus für unsere Sünden sterben konnte oder warum die Kirche eine notwendige Konsequenz des Wirkens des Heiligen Geistes ist. Es geht ihr vielmehr um die Bedingungen überhaupt, die erfüllt sein müssen, damit eine Antwort auf solche Fragen wissenschaftlich und wahr sein kann. Dabei ermittelt sie auch das Verhältnis zwischen Wissenschaftlichkeit und Wahrheit. Denn nicht alle wissenschaftlichen Aussagen sind zugleich wahre Aussagen. Von ihrem Anspruch her sind wissenschaftliche Sätze zu einem erheblichen Anteil Vielleicht-Sätze – Karl Popper spricht von einem unvermeidlichen universalen „Vermutungswissen“4 –, deren Wahrheitsgehalt bewusst in Frage gestellt wird. Aber selbst wenn wissenschaftliche Sätze als hinreichend geprüft gelten, so sind sie nicht wahr, sondern gelten nur solange, bis sie widerlegt worden sind. Wissenschaft bewegt sich somit in einem universal hypothetischen Raum und konstruiert diesen Raum mit. Sie unterscheidet sich von Alltagsaussagen darin, dass sie die Selbstverständlichkeiten von Alltagsunterstellungen weitgehend reduzieren wollen, um sie in einem hypothetischen Raum möglichst umfassend unterzubringen. Dies gilt von allen Wissenschaften und nicht anders auch von der Theologie, wenn sie denn überhaupt eine Wissenschaft ist.

1.1 Der hermeneutische Zirkel der Fundamentaltheologie...

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