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Theologie als Wissenschaft

Eine Fundamentaltheologie aus phänomenologischer Leitperspektive

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Lukas Ohly

Ob Theologie eine Wissenschaft genannt werden kann, wird verschärft durch das Aufkommen neuer theologischer Studiengänge als auch durch Sparmaßnahmen an theologischen Fakultäten in Frage gestellt. Darauf reagieren die theologischen Disziplinen mit einer Suchbewegung, die ihren theologischen Charakter zunehmend außer Acht lässt oder methodisch ungesichert herstellt.

Der vorliegende Ansatz beschreibt die Verifikation theologischer Aussagen als das Aufdecken eines Nicht-Selbstverständlichen im Selbstverständlichen: Wahrheit wird erkannt, indem sie widerfährt. Da Menschen von Gott sprechen, wenn sie den Widerfahrenscharakter von Ereignissen thematisieren, wird ein Bezug zwischen Gottesoffenbarung und Verifikation wissenschaftstheoretisch rekonstruiert.

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2 Theologie als Wissenschaft

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2.1 Wahrheit, Wirklichkeit und Wissenschaft

Wissenschaft ist ein paradoxes praktisches Unternehmen: Sie orientiert sich an der Erkenntnis der Wahrheit und möchte dabei falsche Aussagen weitestmöglich minimieren. Zugleich gelten wissenschaftliche Aussagen nur solange, bis sie widerlegt werden. Damit unterstellt Wissenschaft ihren Aussagen, dass sie falsch sein können, und auch diese Unterstellung ist eine weitestgehende. Die Orientierung an der Wahrheit wird gerade so vorgenommen, dass ein weitestgehender Verdacht gegen die Wahrheit wissenschaftlicher Sätze erhoben wird. Wahrheit wird bei dieser praktischen Unternehmung zu einer sogenannten „regulativen Idee“, einer Als-ob-Realität, die zwar niemals erreicht werden kann, weil sonst Wissenschaft beendet wäre, aber doch angestrebt wird. Das Als-Ob richtet sich dabei auf beides, auf die Wahrheit und auf die mögliche Falschheit: Wissenschaft orientiert sich an der Wahrheit, als ob sie erreichbar wäre. Und sie verdächtigt ihre eigenen Ergebnisse, als ob sie falsch sein können. Damit bewegt sich Wissenschaft praktisch zwischen zwei Polen, zwischen Wahrheit und Falschheit. Dieser Zwischenbereich ist der Bereich der Hypothesen und Hypothesenbildungen.

Hypothesen sind aber Vielleicht-Aussagen. Sie beschreiben nicht einmal zwingend Möglichkeiten, sondern zunächst nur Denkbarkeiten. Aber was für die Wissenschaftlerin denkbar ist, muss nicht schon möglich sein.55 Hypothesen sind vielleicht möglich. Aber was ist „vielleicht“, wenn es nicht einmal möglich ist?

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