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Theologie als Wissenschaft

Eine Fundamentaltheologie aus phänomenologischer Leitperspektive

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Lukas Ohly

Ob Theologie eine Wissenschaft genannt werden kann, wird verschärft durch das Aufkommen neuer theologischer Studiengänge als auch durch Sparmaßnahmen an theologischen Fakultäten in Frage gestellt. Darauf reagieren die theologischen Disziplinen mit einer Suchbewegung, die ihren theologischen Charakter zunehmend außer Acht lässt oder methodisch ungesichert herstellt.

Der vorliegende Ansatz beschreibt die Verifikation theologischer Aussagen als das Aufdecken eines Nicht-Selbstverständlichen im Selbstverständlichen: Wahrheit wird erkannt, indem sie widerfährt. Da Menschen von Gott sprechen, wenn sie den Widerfahrenscharakter von Ereignissen thematisieren, wird ein Bezug zwischen Gottesoffenbarung und Verifikation wissenschaftstheoretisch rekonstruiert.

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3 Der Gegenstand der Theologie

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Wie bereits erwähnt, hat Karl Barth die Fundamentaltheologie als einen Teil der Dogmatik verhandelt. Die Fundamentaltheologie sagt, was zuerst zu sagen ist, und nicht, was vorher zu sagen ist.314 Sie kann sich also nur im Rückblick darüber vergewissern, was sie zum Gegenstand hat – nämlich nachdem sie den Gegenstand bereits erfasst hat. Sie kann in gewisser Weise nur nachsprechen, was ihr zuvor gesagt worden ist.

Nun kann man fragen, ob das nicht für jede Wissenschaft oder sogar für das Denken überhaupt zutrifft. Niemand kann denken, was ihm nicht in gewisser Weise entgegengekommen ist.315 Das merken wir vor allem in Momenten, in denen wir uns an bestimmten Orten an Ereignisse erinnern, die uns sonst nicht mehr eingefallen wären. Selbst über unsere Erinnerungen verfügen wir also nicht, sondern wir finden sie dann erst „außerhalb“.316

Das gilt von jeglichem Denken. Zwar haben wir Phantasie und können ad hoc fiktive Wesen erfinden. Aber welche Wesen erfinden wir dabei? Sind sie wirklich völlig frei erfundene Wesen, die allein unserem Denken entwachsen sind? Oder sind sie uns nicht grundlegend ähnlich oder entstammen der Lebenswelt, in der wir leben? Ich nehme mir nun vor, ein Wesen zu erfinden, das ich noch nie gedacht habe. Zwei Beine sollte es nicht haben, denn das wäre meiner Gestalt schon ähnlich. Aber auch die alternativen Rollen als Fußersatz zur Fortbewegung sind keine neue Erfindung. Und ein Wesen, das ohne entsprechende Bewegungen sich...

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