Show Less
Restricted access

Theologie als Wissenschaft

Eine Fundamentaltheologie aus phänomenologischer Leitperspektive

Series:

Lukas Ohly

Ob Theologie eine Wissenschaft genannt werden kann, wird verschärft durch das Aufkommen neuer theologischer Studiengänge als auch durch Sparmaßnahmen an theologischen Fakultäten in Frage gestellt. Darauf reagieren die theologischen Disziplinen mit einer Suchbewegung, die ihren theologischen Charakter zunehmend außer Acht lässt oder methodisch ungesichert herstellt.

Der vorliegende Ansatz beschreibt die Verifikation theologischer Aussagen als das Aufdecken eines Nicht-Selbstverständlichen im Selbstverständlichen: Wahrheit wird erkannt, indem sie widerfährt. Da Menschen von Gott sprechen, wenn sie den Widerfahrenscharakter von Ereignissen thematisieren, wird ein Bezug zwischen Gottesoffenbarung und Verifikation wissenschaftstheoretisch rekonstruiert.

Show Summary Details
Restricted access

4 Das Schriftprinzip der Theologie

Extract



Trotz meines Plädoyers für eine interkonfessionelle Theologie zum Abschluss des vorherigen Kapitels setze ich nun mit einem Kennzeichen evangelischer Theologie fort, mit dem reformatorischen Schriftprinzip. Wohl gemerkt, handelt es sich zunächst um ein Prinzip evangelischer Theologie und nicht zwingend des evangelischen Glaubens. Wird diese Differenz nicht beachtet, werden am Schriftprinzip Überzeichnungen vorgenommen, so als ob der Bibelbezug der Glaubenden bereits zur konfessionellen Zugehörigkeit entscheidet. Zu solchen Überzeichnungen gehört, dass die Bibel mit einer Erkenntnisquelle des Glaubens identifiziert wird oder gar zur einzigen Erkenntnisquelle erhoben wird. Oder es wird keine Unterscheidung zwischen Quelle und Norm vorgenommen, so dass die Bibel zur einzigen Quelle des Glaubens erhoben wird, weil sie angeblich die einzige Norm sei. Und schließlich wird übertrieben interpretiert, was es bedeuten soll, dass die Bibel die Norm des Glaubens sei.

Aufgrund dieser Überzeichnungen werden auch übertriebene Gegenargumente ins Feld geführt: Das reformatorische Schriftprinzip übersehe andere Quellen und Traditionen des Glaubens, die ebenfalls eine normierende Rolle einnehmen.391 Oder es ignoriere die inneren Widersprüche oder „dunklen Stellen“ der Bibel, die ihren Normcharakter angeblich erschüttern.392 Oder man kommt sogar mit einem soziologischen Argument daher, wonach die Bibel selbst von evangelischen Christen kaum noch gelesen werde geschweige denn bekannt sei. Ich halte alle diese Gegenargumente für zutreffend, bezweifle allerdings, dass sie als Gegenargumente gegen das Schriftprinzip taugen. Denn das Schriftprinzip gilt nicht nur für die evangelische Theologie, sondern bildet die Grundlage sachgemäßer Theologie überhaupt. Es ist allerdings ein...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.