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Friede und Recht

Studien zur Genese des frühmittelalterlichen Herrscher- und Tugendideals in der lateinischen Literatur der römischen Antike und des frühen Mittelalters

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Thorsten Thielen

Friede und Recht – mit keinem anderen Begriffspaar lassen sich Rechtfertigung und Anspruch mittelalterlicher Herrschaft besser beschreiben. In frühmittelalterlichen Volksrechten (leges), Urkunden, Fürstenspiegeln oder der Landfriedensbewegung dient es regelmäßig als Legitimationsgrundlage und Tugendnachweis. Der Autor widmet sich den römischen und christlichen Wurzeln dieser mittelalterlichen Legitimationsstrategie. Er stellt die Entwürfe der antiken und frühmittelalterlichen Literatur vom ersten vorchristlichen Jahrhundert bis zum siebten Jahrhundert dar. Neben der Rechtfertigung der Alleinherrschaft durch römisch-heidnische Autoren steht vor allem der Einfluss des Christentums im Mittelpunkt, der zuletzt in die römisch-christliche Herrschaftsideologie des Mittelalters einmündet.

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A. Einleitung

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A.  Einleitung

Herrschaftsgewalt bedarf der Legitimation. Dies ist ein Allgemeinplatz, der auch im heutigen Zeitalter der Nationalstaaten und in einer globalisierten Welt nichts von seiner Gültigkeit verloren hat. Die Legitimationsfrage stellt sich überall, wo Herrschaft über Menschen ausgeübt wird – sei es durch den „Staat“ oder eine Einzelperson. Sie ist im Herrschaftsbegriff angelegt, weil Herrschaft stets auf die Verwirklichung des Willens des Herrschaftsträgers gegenüber den Personen abzielt, die der Herrschaft unterworfen sind. Zugleich muss sie sich gegenüber potentiellen Konkurrenten behaupten. Soll sie sich nicht ausschließlich auf physische Gewalt (auf das „Schwert“) stützen, muss sie ihr Handeln gegenüber den Herrschaftsunterworfenen begründen und als legitim und rechtmäßig ausweisen. Gelingt dies nicht, droht der Verlust der Durchsetzungsmacht und damit die Ablösung der Herrschaft durch eine andere.

Die Verknüpfung von Legitimität und Herrschaft belegt am deutlichsten das Beispiel des Gewaltherrschers, der kraft seiner körperlichen Stärke und der militärischen Überlegenheit seiner Gefolgschaft herrscht. Seine Stellung ist stets dadurch bedroht, dass die gewählte Legitimationsgrundlage (physische Stärke) zugleich das Beispiel für ihre Überwindung (durch größere physische Stärke) bietet. In der Praxis stützt sich auf Dauer angelegte Herrschaft daher in aller Regel zwar auch auf Gewalt; sie will aber zugleich darlegen, dass gerade sie die Beste für die jeweiligen Herrschaftsunterworfenen darstellt und, dass ein Aufbegehren gegen sie unberechtigt wäre. Die Legitimationsfrage ist hier (im Verhältnis zur...

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