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Friede und Recht

Studien zur Genese des frühmittelalterlichen Herrscher- und Tugendideals in der lateinischen Literatur der römischen Antike und des frühen Mittelalters

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Thorsten Thielen

Friede und Recht – mit keinem anderen Begriffspaar lassen sich Rechtfertigung und Anspruch mittelalterlicher Herrschaft besser beschreiben. In frühmittelalterlichen Volksrechten (leges), Urkunden, Fürstenspiegeln oder der Landfriedensbewegung dient es regelmäßig als Legitimationsgrundlage und Tugendnachweis. Der Autor widmet sich den römischen und christlichen Wurzeln dieser mittelalterlichen Legitimationsstrategie. Er stellt die Entwürfe der antiken und frühmittelalterlichen Literatur vom ersten vorchristlichen Jahrhundert bis zum siebten Jahrhundert dar. Neben der Rechtfertigung der Alleinherrschaft durch römisch-heidnische Autoren steht vor allem der Einfluss des Christentums im Mittelpunkt, der zuletzt in die römisch-christliche Herrschaftsideologie des Mittelalters einmündet.

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G. Das christliche Kaisertum in der Literatur des fünften Jahrhunderts

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G.  Das christliche Kaisertum in der Literatur des fünften Jahrhunderts

I.  Einleitung

Die schrittweise Anerkennung des Christentums im Imperium Romanum ließ die Frage nach dem Verhältnis der Pax Romana zum biblischen Friedensverständnis zunehmend zu einer Kernfrage der christlichen Glaubensgemeinschaft werden. Insoweit leitete das unter Kaiser Galerius erlassene Toleranzedikt von Nikomedia (30. 4. 311) sowie das im Jahre 313 von Konstantin I. und Licinius erlassene Mailänder Toleranzedikt1 und das sich damit abzeichnende Ende der letzten Christenverfolgung, die nachfolgende Integration der Christen in den römischen Staat ein. War die Auseinandersetzung der Christen mit dem römischen Staat – soweit sie überhaupt stattfand – zuvor und auch während der „Konstantinischen Wende“ – vor allem auf die Person des Kaisers ausgerichtet, entstanden ab dem Beginn des fünften Jahrhunderts zunehmend solche Schriften, die das römische Staatswesen als Ganzes in den Blick nahmen.

Die erste große und systematische Auseinandersetzung des fünften nachchristlichen Jahrhunderts mit dem römischen Staat stellt das Werk des Bischofs von Hippo „De civitate Dei“ dar, das unter dem Eindruck der Eroberung Roms durch die Westgoten am 24. August 410 begonnen und in den Jahren 413–426/7 zu Ende geführt wurde.2 Das Verhältnis von Kirchen- und Staatsfriede und die heilsgeschichtliche Bedeutung des Römischen Reiches waren zwar zuvor bereits mehrfach Gegenstand der christlichen Apologetik gewesen,3 doch widmet Augustinus erstmalig dieser ← 503 | 504 → Problematik den wesentlichen Teil eines Werkes. Ausgehend vom Fall der Stadt...

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